Buchtipp der Woche

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Rüdiger Bertram: Knastkinder. Rowohlt Tachenbuch Verlag (rororo); 7,95 Euro.

Ist ja alles nur erfunden! Dieser Gedanke, mit dem man sich trösten kann, wenn einem ein Roman ganz besonders an die Nieren geht, funktioniert bei diesem Buch nur sehr bedingt – bis gar nicht. Die Geschichte von Jonathan, wie sie Rüdiger Bertram erzählt, hat sich so nicht zugetragen. Sie könnte sich aber genau so zugetragen haben. Und: So ähnlich wie hier im Buch passiert es im Alltag von Manila ständig, das ist schlimm genug.

Jonathan, mit seinen Eltern besuchsweise in Manila, will einfach mal nur ohne die Erwachsenen durch die Stadt. Ab einem gewissen Alter für Jugendliche alles andere als ungewöhnlich, aber Jonathan verläuft sich, gerät in ein problematisches Stadtviertel, wird ausgeraubt, dann wird aus dem Opfer ein vermeintlicher Täter, und der landet im Kinderknast.

Die Bedingungen, die dort herrschen, sind nahezu unbeschreiblich, schlimme Hygienemängel sind noch das geringste Problem. Noch nicht einmal ein toter Häftling, der Rivalitäten im Gefängnis mit seinem Leben bezahlt, kümmert das Wachpersonal – abgesehen von eventuell zu erwartendem Ärger und dem Aufwand, der es bedeutet, eine Leiche wegzuschaffen.

Das Buch immerhin nimmt – wenigstens für Jonathan – ein halbwegs gutes Ende, denn er kommt frei. Er weiß aber auch, wie viele Häftlinge, unter denen er wirklich Freunde gefunden hat, er mit mehr als ungewisser Zukunft zurücklassen muss.

Spätestens im Nachwort wird deutlich, dass man es hier nicht mit einer jener Schauergeschichten zu tun hat, die ganz besonders gruselig geschrieben werden, auf dass sie sich gut verkaufen. Knastkinder steht in Verbindung mit Tatort – Straßen der Welt. Diesen eingetragenen Verein gründeten die Schauspieler Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär. Die Publikumslieblinge, die als Max Ballauf und Freddy Schenk zu den gefragtesten Ermittlern im Tatort gehören, wurden bei Dreharbeiten für die Folge Manila mit der Realität konfrontiert, die Rüdiger Bertram hier beschreibt. (Weitere Informationen: www.tatort-verein.de)

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