Ford Escort: Zwei Jubiläen

Bei Ford feiern 2018 der kompakte Escort und die sportliche RS-Familie ihren 50. Geburtstag und blicken dabei im wahrsten Sinne des Wortes auf eine ebenso bewegte wie bewegende Vergangenheit zurück. Während der Escort bereits den Stab an seinen Nachfolger Focus weitergereicht hat, eilt die RS-Story bis heute zu immer neuen Höhepunkten.

Im August 1968 standen die ersten, noch im britischen Halewood produzierten Escort-Modelle bei den deutschen Händlern und fünf Monate später rollte schon das 100.000ste Exemplar vom Band. Bereits 1969 gab es den Escort auch mit viertüriger Karosserie und in der Kombivariante Turnier mit 1,53 Kubikmetern Laderaum bei heruntergeklappten Rücksitzen. Im Januar 1970 begann schon die Produktion im eigens errichteten Werk Saarlouis im Saarland – wo heute noch der Focus gefertigt wird.

Der Nachfolger des Hundeknochens bot ab 1975 mit der Linie der Vernunft insbesondere den Fondpassagieren des Fünfsitzers ein Plus an Kniefreiheit. Die niedrigere Gürtellinie und deutlich größere Fensterflächen verbesserten den Rundumblick. Zugleich verdoppelten die Kölner die Garantiezeit auf zwölf Monate oder 20.000 Kilometer. Erstmals hatten die Käufer der Basisversion bei gleichem Preis die Wahl zwischen einem Motor mit 1,1 Liter Hubraum und 44 PS oder einem 54 PS starken 1300er – je nachdem, ob sie Sparsamkeit oder Sportlichkeit den Vorrang gaben.

Ab 1980 folgte der nächste Escort dem aktuellen Klassenstandard und bot (wie bereits der kleinere Fiesta) quer installierte Motoren, Frontantrieb und praktisch-schicke Schrägheckkarosserie. Die komplette Neukonstruktion bot unabhängige Radaufhängungen rundum und eine neue Generation von Vierzylindern. Zunächst starteten die drei- oder fünftürige Limousine und der dreitürige Turnier. Später kamen der Kombi mit fünf Türen, die Kastenwagenvariante Express und der Stufenheckableger „Orion“ hinzu. Bei Karmann in Osnabrück entstand zudem ein offenes Escort Cabriolet. Später fertigten die Niedersachsen auch den mit mächtigem Flügelwerk verzierten Escort RS Cosworth mit modernem Allradantrieb und 220-PS-Turbomaschine. Der fußte aber auf der Bodengruppe des Sierra und besaß deshalb einen längs eingebauten Motor. Erst 1998 fand sich mit der ersten von nunmehr vier Generationen des Focus ein würdiger Nachfolger.

Die RS-Modellfamilie startete 1968 ganz unspektakulär mit dem 15M der Baureihe P6 (der zuvor noch Taunus hieß) und schöpfte zunächst 70 PS aus einem 1,7 Liter großen Vierzylinder-V-Motor. Der trieb das zweitürige, mit schwarzen Rallye-Streifen, Zusatzinstrumenten und -scheinwerfern ausgestattete Coupé auf maximal 153 km/h Höchstgeschwindigkeit – was damals als ziemlich flott galt. Für 7.760 Mark war der 15M RS bereits Teil einer kleinen RS-Modellfamilie, denn Ford schickte fast zeitgleich auch die P7-Modelle 17M RS und 20M RS an den Start. Das erste wirklich dynamische RS-Modell aus europäischer Fertigung folgte noch1968. Der Escort RS 1600 begründete die nunmehr fünf Jahrzehnte umfassende Historie dieses sportlichen Labels. Bis heute durften 27 Serienmodelle dieses Signet im Namen tragen – jedes ein Top-Performer in seiner Baureihe, stets mit herausragenden Fahrleistungen und einem bemerkenswerten Preis-Leistungs-Verhältnis gesegnet. RS-Modelle von Ford gab es in praktisch allen Formen und Varianten: mit Front- oder Mittelmotor; Allrad-, Heck- oder Front-getrieben, mit vier oder sechs Zylindern und als Sauger oder mit Turbo.

Insbesondere die jüngeren Modelle profitierten von intensiven Detailverbesserungen im Windkanal – vom flügelbewehrten Sierra RS Cosworth über den Escort RS Cosworth bis hin zur dritten Generation des Ford Focus RS. Charakteristisch reizten fast alle RS-Modelle stets die technologischen Möglichkeiten ihrer Zeit aus und bereiteten dadurch die Bühne für erfolgreiche Auftritte im Motorsport. Deshalb wird der Begriff Ford RS immer auch in einem Atemzug mit ungezählten Triumphen bei Rallyes und Rundstreckenrennen auf der ganzen Welt genannt.

Text und Fotos: Karl Seiler