Lese-Tipp – Rumpf: Darf ich was vorsingen?

Mit vier Jahren bekam sie ihre erste Gage. Das war ein Fünf-Mark-Stück, was heute 50 Euro entspricht. Dabei hatte sie sich öffentlich nur mal eben an Volksliedern erprobt.

Als Inga Rumpf dann ihre erste Gitarre bekam, war ihr Berufsweg vorgezeichnet. Nicht immer stand es finanziell so rosig wie zu Zeiten der ersten Gage. Aber ihre Stimme war trotzdem immer ein wenig Geld wert, wenn sie bei Nachbarn klingelte und die Frage stellte, die ihrer Autobiographie den Titel gibt. Denn in der Familie musste das Geld zusammengehalten werden. Was sie dann bekam, wenn sie was vorsingen durfte, wanderte oft zum Bäcker. Da gab es dann „Kuchenbruch“, also das, was nicht mehr schön genug war, um zum regulären Preis verkauft zu werden. Oder Ränder von Butterkuchen, jener Hamburger Spezialität. Wenn es für Salmis reichte – noch besser! Salmiakbonbons liebt sie bis heute, sagt sie. Passt – die haben den Ruf, der Stimme gut zu tun.

Was Inga Rumpfs Autobiographie so lesenswert macht, ist genau diese Bodenständigkeit, die sie sich lebenslang bewahrt hat. Sie weiß, wie heikel es ist, als Musikerin von dem leben zu können, was man tut. Natürlich gehören auch Verrücktheiten zu Inga Rumpfs Leben, wie sollte es auch anders sein bei einer Frau, die in ganz jungen Jahren mit Udo Lindenberg in einer WG lebte. Die von Keith Richards bewundert wird. Und von der Tina Turner einen Song übernahm, als die gerade an ihrem Comeback ohne Ike feilte.

Solange man noch etwas vorhat, bleibt man jung, das ist ihre Überzeugung. So gesehen ist der 75. Geburtstag, den sie soeben feierte, nur eine Zahl. Was sie auf jeden Fall sich vornehmen sollte: Uns weiter was vorzusingen.

Inga Rumpf: Darf ich was vorsingen? Eine autobiografische Zeitreise. Ellert und Richter Verlag; 25 Euro.

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