Buchtipp der Woche: EXTRA

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An der Stelle des üblichen Buchtipps muss diesmal ein Nachruf stehen – für Otfried Preußler, der im 90. Lebensjahr gestorben ist.

Es ist kaum möglich, mit seinem Werk nicht in Berührung zu kommen – seine Bücher haben Generationen begeistert, auch international, sie sind auf die Bühne gebracht, als Hörspiele veröffentlicht und natürlich verfilmt worden (zum Beispiel mit Rufus Beck und Armin Rohde als Hotzenplotz und Zwackelmann), viele gibt es als Schulausgaben. Letzteres wird den gelernten Lehrer besonders gefreut haben.

Einen seiner beliebtesten Helden entstand, weil Preußler eine Ablenkung von der Arbeit seinem umfassendsten und schwierigsten Buch brauchte. So schrieb er, an Krabat pausierend, den Räuber Hotzenplotz, der seinen Lesern soviel Spaß machte, dass die dem Autor noch einen zweiten und dritten Band entlockten. Preußler selbst wäre mit einem Buch zufrieden gewesen, an dessen Ende der Räuber geschnappt wird und alles seine Ordnung hat. So wurde im dritten Band aus dem Gesetzesbrecher ein Gastwirt. Man darf vermuten: ein erfolgreicher.

Auf einen guten Weg ist auch die kleine Hexe gekommen, durch ein fundamentales Missverständnis: Eine gute Hexe wollte sie werden und sich unter den Großen ihrer Zunft bewähren. Also tat sie ihren Mitmenschen Gutes – nicht wissend, dass eine gute (sprich: ihrem Berufsstand gemäße) Hexe nur Böses zu tun hatte. Das wiederum sah die im wirklichen Guten erfolgreiche und damit zufriedene kleine Hexe nicht ein. Und musste sich etwas einfallen lassen, um ihre dem Bösen dienenden Berufskolleginnen dauerhaft zu entschärfen.

Das Gute besiegt das Böse, es gilt nur, Widrigkeiten zu überwinden – daran hat Preußler, der in Kindern zugleich seine wichtigsten Kritiker sah, ganz erkennbar geglaubt. Als Lehrer sah er sich schon mal dem Vorwurf ausgesetzt, im Unterricht zu viele Märchen zu erzählen. Er antwortete auf seine Weise – indem er die Vielzahl seiner Figuren 1987 um Herrn Klingsor ergänzte: Einen Lehrer, der zaubern konnte, aber nur ein bißchen. Was aber völllig ausreichte.

Unfreiwillig komisch wirkt, dass Otfried Preußler kurz vor seinem Tode noch einmal in die Schlagzeilen geriet: Sein Verlag ersetzte für kommende Auflagen verschiedene Wörter, die aus heutiger Sicht nicht mehr politisch korrekt erscheinen. Bei allem Verständnis für die Erziehung zu sprachlicher Sorgfalt – die Vorstellung, in Preußlers Schrifttum mißverständlich rassistische oder sexuell konnotierte Wörter zu finden (Sprachwandel hin, moderne Jugendsprache her), hat etwas Absurdes. Man beachte immer den Zusammenhang – und unterschätze vor allem den (jugendlichen) Leser nicht.

Die Bücher von Otfried Preußler sind im K. Thienemanns Verlag (Stuttgart) erschienen.

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