Erste Erfahrungen: Renault Grand Scénic

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Unser französischer Nachbar rühmt sich einer besonders familiengerechten Politik. Bessere Kinderbetreuung und berufliche Chancen für Mütter tragen mit dazu bei, dass mehr Kinder geboren werden als hierzulande. Auch die Autobauer setzen auf den Faktor Familie und bieten eine vielfältige Auswahl an Fahrzeugen für Kind und Kegel. Dabei reicht das Spektrum bei Citroën, Peugeot oder Renault von ganz kleinen bis großen Raumwundern auf vier Rädern mit Platz für bis zu sieben Personen: Vans für jeden Bedarf und Geldbeutel.
Jüngstes Mitglied der französischen Van-omanie ist der neue Renault Grand Scénic. Mit dem ersten Scénic von 1996 – damals noch mit dem Namenszusatz Mégane – hatte Renault einen richtigen Verkaufskracher gelandet. Die zweite Generation des handlichen Vans startete 2003 zunächst wie gewohnt als Fünfsitzer – und nur noch unter der Bezeichnung Scénic. Kurze Zeit später folgte die Version Grand mit weiteren zwei Sitzmöglichkeiten. Doch konnte sich der Siebensitzer nie so recht gegen die Konkurrenz wie Opel Zafira oder VW Touran durchsetzen und wirkte zuletzt auch gegen den französischen Mitbewerber Citroën C4 Picasso altbacken.

Für mehr Medienpräsenz bringt Renault diesmal zuerst die größere Version des kompakten Vans Anfang Mai auf den Markt, die fünfsitzige und etwas kürzere Variante folgt Ende Juni. Obwohl der Neue wieder größer und komfortabler geworden ist, wurden die Preise gesenkt. Knapp 2.000 Euro weniger als zuvor muss der Kunde für einen Scénic hinblättern. Gespart wurde aber nicht an Platz, am Interieur oder an der Variabilität, eher an der Homologation der Motoren, die bis auf zwei Ausnahmen nur die Abgasnorm Euro 4 erfüllen. Der Grand Scénic erstreckt sich auf eine Länge von 4,56 Metern und ist im Vergleich zum Vorgänger um sieben Zentimeter gewachsen. Damit übertrifft der Franzose die meisten Mitbewerber um zehn bis 15 Zentimeter. Das Platzangebot für die erste und zweite Reihe ist üppig. Die drei Einzelsitze der zweiten Reihe lassen sich längs bis zu 17 Zentimeter verschieben, sie können umgeklappt oder für große Transportaufgaben auch ausgebaut werden. Die optionalen Sitze Sechs und Sieben (Aufpreis: 700 Euro) können mit einem Handgriff aus dem Kofferraumboden hochgezogen beziehungsweise versenkt werden. Auf kurzen Strecken finden hier auch nicht allzu langbeinige Erwachsene ein Plätzchen, ansonsten sind diese Sitze doch eher der Jugend vorbehalten. Je nach Sitzkonfiguration variiert das Gepäckvolumen zwischen 208 bis zu 2.063 Litern. Zusätzlich stehen noch diverse Staufächer zu Verfügung, darunter ein verschiebbarer Container zwischen den Vordersitzen.
Schicker ist der Scénic geworden und an der Qualität der verwendeten Materialien wurde auch nicht gespart. Bei ersten Testfahrten hinterließ das Interieur zumindest einen guten Eindruck: Keine Klappergeräusche, straffe Polster und die Bedienelemente logisch sortiert. Das neu gestaltete Display informiert zudem klar und deutlich.

Vier Diesel und drei Benziner stehen zur Auswahl. Die Selbstzünder sind alles bekannte Triebwerke, ihr Leistungsspektrum spannt sich von 78 kW/106 PS bis zu 118 kW/160 PS. Letzterer und der etwas schwächere 150 PS-Diesel wurden überarbeitet und erfüllen die Abgasnorm Euro 5. Alle anderen und ebenfalls die Benziner sind nur nach Euro 4 eingestuft. Neben dem Basisaggregat mit 81 kW/110 PS und der 2.0-Liter-Top-Motorisierung mit 103 kW/140 PS bietet Renault einen neuen 1.4-Liter Vierzylinder mit 96 kW/130 PS an. Der Turbo macht aus dem Franzosen kein Beschleunigungswunder, aber immerhin gelingt hier der Standardspurt in 11,5 Sekunden. Knappe 200 km/h schnelle Spitzengeschwindigkeiten sind möglich und schon bei niedrigen Drehzahlen von 2.250 Umdrehungen liegt das maximale Drehmoment von 190 Nm an. Den Verbrauch gibt Renault mit 7,3 Litern an, allerdings zeigte der Bordcomputer bei sehr zurückhaltender Fahrweise mindestens 8,8 Liter an.

Ab 20.200 Euro steht der Grand Scénic beim Händler. Ab Werk gehören neben einer umfangreichen Sicherheitsausstattung unter anderem eine Klimaanlage, eine elektrische Feststellbremse und eine Audioanlage zum Serienumfang. Allerdings können nur die zwei Basis-Motorisierungen mit der Einstiegsversion kombiniert werden. Der neue Benziner mit 130 PS ist ab 22.400 Euro zu haben, dann ist im Preis beispielsweise noch eine Einparkhilfe für vorne und hinten, 17 Zoll-Leichtmetallräder, Tempomat, der verschiebbare Container, ein Lederlenkrad und ein um sieben Zentimeter höhenverstellbarer Fahrersitz enthalten. Ein fest installiertes Navigationsgerät kostet nur 490 Euro. In Punkto Platz und Variabilität kann der neue Grand Scénic überzeugen, auch das Preis-Leistungsverhältnis geht in Ordnung. Jetzt muss sich nur noch zeigen, dass Renaults Anstrengungen zur Qualitätsverbesserung fruchten, dann freuen sich nicht nur die Insassen, sondern auch der Besitzer des Familien-Fahrzeugs.

Text: Elfriede Munsch

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