50 Jahre MINI (2): Nicht nur Peter Sellers war ein Fan

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Kurz, nachdem das neue Spar-Wägelchen für die Untertanen der Queen im August 1959 vorgestellt worden war, stellte sich schnell heraus: Ein Renner, so schien es, würde das aus der wirtschaftlichen Not nach der Suez-Krise geborene Mobil-Konzept nicht werden. Die Absatzzahlen hielten sich in Grenzen, bis ein gewisser John Cooper auf die Idee kam, das Teil zu veredeln, indem er es rar machte. Was ziemlich kompliziert klingt, war im Prinzip furchtbar einfach: John Cooper war nicht nur ein Freund von Mini-Vater Alec Issigonis, sondern auch Rennwagen-Konstrukteur. Und er traute dieser rollenden Schachtel, die so gar nichts von dynamischer Stromlinien-Führung der Karosserie verriet, dennoch eine sportliche Karriere zu. Denn Cooper, ebenso genial wie unkonventionell im Beschäftigen mit neuen Ideen, erkannte schnell, dass dieser neue Wagen mit den kleinen Rädern am äußersten Rand des Chassis ziemlich wendig und schnell sein müsste. Wenn, ja wenn er denn entsprechend Feuer unter der Haube hätte.

Also legte Cooper, der sich von Beginn an für die Motorenkonstruktion des Mini interessiert hatte, los und begann aus dem sprichwörtlichen Gebrauchsfahrzeug für die Insel ein Rennfahrzeug zu machen. Er veränderte nicht nur Hub und Bohrung, sondern vor allem die Übersetzung. Zwei Jahre später kam dann ein leistungsstärkerer Mini auf den Markt. Und der trug einen Namen, von dem nicht wenige Menschen glauben, dass dies eigentlich die ursprüngliche Bezeichnung des gesamten Fahrzeugs gewesen war: Der Mini Cooper. Dabei war die 1961 vorgestellte Weiterentwicklung nur das Ergebnis der innermotorischen Maßnahmen des Rennwagen-Konstrukteurs John Cooper.

Noch aber war das Fahrzeug nicht auf dem Markt. Erst als Cooper den damaligen Chef von British Motor Corporation nach langem Kampf dazu überreden konnte, eine Kleinserie von 1.000 Stück aufzulegen, stellte man zur allgemeinen Überraschung fest, dass Cooper damit den Nerv getroffen haben musste. Ein Geschäft wurde der Mini Cooper für seinen Erbauer aber erst später. Zwei Pfund pro Fahrzeug, das waren damals umgerechnet etwa 22 Mark gewesen, sollte Cooper laut schriftlicher Vereinbarung erhalten. Die erste Tausender Serie war bald vergriffen, denn allmählich wurde aus dem zunächst verschmähten Kasten ohne Rundungen und Schwünge in der Karosserie so etwas wie ein automobiles Outfit der besonderen Art.
Ab den frühen 60er Jahren galt es auf einmal als besonders chic Mini zu fahren. Zumal John Cooper im Jahr 1963 dank der Vorgaben des Motorsport-Journalisten und Rallye-Piloten John Stuart Turner noch einen drauf setzte. Turner kaufte sich in die Rennsport-Abteilung von BMC ein. Im Jahr 1963 erschien daraufhin eine zweite, leistungsstärkere Version des Mini Cooper, der Mini Cooper S. Damit war die ursprüngliche Idee von Issigonis, ein eigentlich erschwingliches Auto für die breite Masse zu bauen, konterkariert. Denn plötzlich wurde aus dem Jedermann-Gefährt ein Gerät, das nicht nur Charme, sondern auch noch Renncharakter versprühte. Und da rasante Wagen im United Kingdom damals aufgrund der Erfolge britischer Rennfahrer (beispielsweise Stirling Moss) hoch im Kurs standen, mutierte der Mini Cooper plötzlich zum UK-Ferrari, der für vergleichsweise wenig Geld zu haben war.

In den 60er Jahren entdeckten auch etliche prominente Zeitgenossen ihr Herz für den Mini und das machte ihn dann auch zum Renner in den Showrooms. Schauspieler Peter Sellers ließ sich damit ablichten und bekannte sich öffentlich dazu, ein Mini-Malist zu sein. Im swinging London der 60er Jahre, einem Zeitalter, in dem Beatles, George Best oder das unfassbar spindeldürre Model Twiggy die Szene beherrschten, drängte sich auch der Mini in diese bizarre aufstrebende Kultgesellschaft aus Hippies und Ausgeflippten. Wer etwas auf sich hielt, anders zu sein als das Establishment, der fuhr Mini. Nicht einmal die Tatsache, dass auch im Fuhrpark von Her Majesty Elizabeth II. ein solcher flinker Flitzer stand, konnte ihm etwas antun.

Sportliche Erfolge und der durchschlagende Erfolg in der Pop- und Leinwandszene machten aus dem Mini eine Design-Ikone. Wen oder was er allerdings als reines sportliches Einsatzfahrzeug bei welchen Gelegenheiten hinter sich ließ und welche Geschichten sich dahinter verbargen, davon mehr im nächsten Teil auf www.kues.de

Text: Jürgen C. Braun / Fotos: KÜS

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