Test-Tour: Opel Zafira OPC

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Als Renault 1984 mit dem Espace die erste Großraumlimousine auf Europas Straßen schickte, war das Erstaunen hierzulande groß. Mittlerweile mutierten die Vans nicht nur zu Familienkutschen oder Einkaufsmobilen, sondern auch zu Spaßautos. So wie beispielsweise der Opel Zafira OPC.

Wieviel PS hat der? 240? In so einem Auto? Die Verwunderung über das Leistungspotenzial unseres metallic-blauen Blitzes war allgegenwärtig. Die drei Zauberbuchstaben, die für den heißen Ofen stehen, heißen OPC und stehen für Opel Performance Center. Die sitzen im hessischen Dutenhofen und machen dasselbe wie AMG bei Mercedes oder die M GmbH bei BMW. Sie packen an PS rein, was geht. Doch eben nur das, was sinnvoll und sicher ist. Und weil Opel seit Jahren darum bemüht ist, vom gehäkelten Klorollen-Image aus Rekord- und Admirals-Zeiten weg zu kommen (siehe beispielsweise einen Speedster Turbo) gibt es diese Version auch bei Astra, Meriva und Vectra. Frei nach dem selbst gewählten Motto: Frisches Denken.

Doch zurück zu der Großraumlimousine Zafira. Nun mag man sich fragen, ob 240 PS, 320 Newtonmeter Drehmoment und ein Zweiliter-Turbomotor für einen Siebensitzer wirklich sinnvoll sind. Wir sagen einfach: Ist es. Denn der Turbo-Zafira kann leicht untertourig im großen Gang bewegt werden, er kann aber auch zum puren Fahrgenuss werden. Dann aber ist der Flirt mit dem Gaspedal allgegenwärtig.

192 PS wuchtete der Zafira OPC der ersten Generation bereits auf die Kurbelwelle, doch der Erstling verkaufte sich schlecht. Auf weltweit 5.000 Stück wurde die Produktion limitiert. Jetzt, bitte schön, sollen es schon ein paar mehr sein beim stärksten Zafira aller Zeiten. In 7,8 Sekunden werden – wenn's denn sein muss – das neue Kinderzimmer oder auch diejenigen, die darin wohnen wollen – nach vorn katapultiert und der Super-Van braucht schon ein paar zupackende Hände, wenn's nach vorn geht. Auch dann, wenn bei 231 km/h das Ende der Vortriebs-Fahnenstange in dem 1,6 Tonnen schweren OPC erreicht ist. Doch zum Glück gibt es die ans serienmäßige ESP gekoppelte Antriebsschlupfregelung (ASR). Die ist notwendig, weil die mächtigen Schlappen des Formats 225/40 R 18 einen gewissen Hang zur Eigendynamik entwickeln, wenn man sie denn lässt.

Die Opel-Ingenieure haben aber nicht nur beim Beschleunigen, sondern auch beim Bremsen ganze Arbeit geleistet. Ein Bremsweg von 35 Meter bedeutet höchste Sportwagen-Qualität. Und dies, obwohl der Van-typisch hohe Schwerpunkt die Hinterachse beim Bremsen deutlich entlastet. Ein Plus gibt es von uns bei unserer zweiwöchigen Testtour jedoch für das IDS-Plus-Fahrwerk mit einer gelungenen Mischung aus Komfort und Härte. Die Vorderräder schieben zwar leicht zum Kurvenaußenrand, doch das nicht zu früh einsetzende ESP bügelt leicht ungestümen Vorwärtsdrang wieder aus.

Derlei Fahrvergnügen im Renntaxi hat natürlich seinen (Sprit)preis. Im Schnitt kamen wir im zweiwöchigen Berichtszeitraum auf etwa 13,5 Liter. Das ist gut ein Drittel über den Werksangaben. Die aber sind zumindest bei der Preisangabe präzise: 32.500 Euro.

Text: Jürgen C. Braun

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