CD-Tipp der Woche

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Hildegard Knef: Schöne Zeiten. Ihre unvergessenen Singles. (WSM)

Sie sei die größte Sängerin ohne Stimme, hat Ella Fitzgerald einmal über Hildegard Knef gesagt. Dieses Kompliment, wiewohl zweifelsohne ernst gemeint, trifft so auf die Sängerin Knef nicht unbedingt zu. Das macht diese Sammlung deutlich, die alle Knef-Singles enthält. Schöne Zeiten präsentiert die A-Seiten und B-Seiten aller Singles von den frühen sechziger Jahren bis zu Der Mensch muss unter die Leute aus Knefs Zusammenarbeit mit Bert Kaempfert von 1979.

Viele ihrer Lieder hat sie eher gesprochen als gesungen, insofern hat Ella Fitzgerald sicher recht. Aber die Künstlerin Knef, die zuvor schon als Schauspielerin immer wieder Schlagzeilen gemacht hatte, scheute auch als Sängerin keine Konfrontation: Man hätt' mich enterbt, doch wir hatten kein Geld, und ich folgte dem Ruf auf die Bretter der Welt? – die schmerzhafte Auseinandersetzung mit bürgerlich-besorgten Eltern um die schauspielbegeisterte junge Tochter läßt sich kaum treffender beschreiben, als die Knef es tat. Und auch sonst spart sie in Von nun an ging's bergab nicht mit herrlicher Selbstironie.
br>Sie konnte unsentimental sein und doch voller Gefühl, und mit unverwechselbarer Berliner Schnauze beschrieb sie den ganz normalen Alltag mit allen Höhen und Tiefen. Und nicht selten musste sie sich mit ihren Liedern – so freundlich wie möglich! – wehren, wenn die Boulevardblätter einmal mehr jedes (besser: jedes vermeintliche) Detail ihres Privatlebens ausgeschlachtet hatte.

Im Dezember 2005 wäre Hildegard Knef 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass erscheinen ihre Singles hier erstmals komplett, chronologisch und mit umfangreichen Notizen zur Entstehung der Lieder versehen. Darunter befinden sich Highlights wie der Heimwehblues von 1978, eine versteckte Liebeserklärung der gebürtigen Ulmerin an ihre eigentliche Heimatstadt Berlin – und nicht zuletzt die Titel Nur mit dir und Die Schnecke. Die entstammten einer gemeinsam mit Les Humphries 1971 eingespielten Langspielplatte. Die hatte Knefs damalige Schallplattenfirma Decca gegen ursprüngliche Bedenken doch veröffentlicht. Diese Bedenken trafen durchaus zu: Von den Verkaufszahlen her wurde die LP kein großer Erfolg. Das änderte nichts daran, dass gerade hier die Knef sich in absoluter Top-Form zeigte.

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