Lese-Tipp – Schmidt: Kalmann

Raufarhövn. Nein, das ist kein Tippfehler beim Blindschreiben, und es stammt nicht von jemandem, der zu tief ins Glas geschaut hat. Sondern: Joachim B. Schmidt nimmt uns mit auf eine Reise nach Island.

Das Land ist kleiner als unsere Bundeshauptstadt. Und durch Björk, Sigur Ros sowie – vor allem in den letzten Monaten – durch Skyr ein wenig vertrauter als früher. Ach so, ja, durch den ESC auch, mit zahlreichen skurrilen Beiträgen.

Skurril ist auch Joachim B. Schmidts Roman. Sein Held, der auch Titelheld ist, muss sich durchs Leben schlagen. Das fällt ihm nicht leicht. Lange hat er durch seinen Großvater das gehabt, was man hierzulande amtlich Betreuung nennt. Nun aber ist der Großvater im Pflegeheim. Kallmann muss schauen, wie er klar kommt.

Was ist „normal“, was ist „unnormal“, wer sagt, was „geht“ und was „nicht geht“? Wo andernorts solche Fragen scheinbar klar beantwortet werden, verwischen in Island gerne mal die Grenzen. Und das ist gut so. Kallmann ist kein Held im Sinne eines Action-Romans, wohl aber einer im ganz gewöhnlichen Alltag.

Nicht zuletzt der Gammelhai macht ihn dazu. Warum – das kann man hier nachlesen. Unter anderem. Die isländische Fischspezialität ist wohl nur etwas, was die Isländer selbst schätzen. Autor Schmidt allerdings betont: Nach 14 Jahren des Probierens schmeckt er auch Zugereisten. So allmählich. Sogar in kuliarischen Fragen geht Island seinen ganz eigenen Weg.

Joachim B. Schmidt: Kallmann. Diogenes Verlag; 22 Euro.

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