Film-Tipp: Danni Lowinski

Demnächst wird sie wieder als fachlich exzellente, aber menschlich problematische Rechtsexpertin zu sehen sein: Als „Ella Schön“ verkörpert Annette Frier in unregelmäßigen Abständen eine Anwältin mit Asperger-Syndrom. Fachlich ist sie ihrem Chef in der Kanzlei eine große Hilfe, nur im Umgang mit Klienten muss der Mann öfters mal in Ellas Tun eingreifen.

Die Rolle der Rechtsanwältin mit ungewöhnlichem Hintergrund ist für Annette Frier nicht neu: Als Daniela „Danni“ Lowinski schlug sie sich – im Erstberuf Friseurin, Abitur auf zweitem Bildungsweg, anschließend Jurastudium und Staatsexamen mit 32 – in einer Kölner Einkaufspassage mit einer Beratungsstelle durch. Ihre Kanzlei – ein Klapptisch. Ihr Honorar: Ein Euro pro Beratungsminute. Not macht erfinderisch. Die Serie wird regelmäßig wiederholt und hat bei Erstausstrahlung zahlreiche Preise abgeräumt (u. a. den Deutschen Comedypreis, den DeutschenFernsehpreis und mehrfache Nominierungen für den Grimme-Preis).

Bei einem so gewagten Sendekonzept mag zunächst Skepsis erlaubt sein. Ist das nicht ein wenig zu viel Sozialkitsch? Tatsächlich lagen die Fälle der Neu-Anwältin ein wenig abseits der üblichen Kanzlei-Realitäten. Annette Frier allerdings füllte die Rolle mit Bravour aus. Dazu gehörte auch ungestümes Auftreten bei Gericht, dessen Kommunikationsregeln sie erst in der Praxis lernen musste (nicht unbedingt wollte). Ihr nahm man den Outcast unter den Anzugträgern, der’s jetzt erst recht wissen wollte, absolut ab.

Mit Jan Sosniok und Sebastian Bezzel als Rivalen um Dannis Gunst, Elyas M’Barek als Schlüsseldienstbetreiber (in den ersten Folgen) und Dirk Borchardt als Kölner Unterweltkönig (der ebenfalls in Danni verliebt ist, so sehr, dass sie ihn sogar dazu bringt, vor Gericht einen tatsächlich begangenen Mord zu gestehen) und vielen anderen ist die Serie durchweg vorzüglich besetzt. Auch in Nebenrollen geben sich Stars die Klinke in die Hand – Roman Knizka, Berta Morawiecz, Robert Giggenbach (einmal mehr als Fiesling mit unschuldigem Gesicht), Winnie Böwe und Jasmin Tabatabai, um nur einige zu nennen.

Als Lehrstunde in Sachen Jurisprudenz taugt sie nicht unbedingt. Als vergnügliche Lehrstunde einer mit Stolpersteinen nur so gepflasterten Laufbahn ist sie dagegen wunderbar geeignet. Und wenn schnöselige Gegner eine Anwältin vor Gericht unterschätzen, nur weil die unkonventionell auftritt – das ist eine solide Basis für viele wirklich komische Situationen.

Danni Lowinski (DVD, verschiedene Ausgaben erhältlich)

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