Enfield 8000: Zwischen Smart und Ferrari

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Der Enfield 8000 ist eines der kleinsten E-Autos der Welt. Normalerweise hat dieses Gefährt magere 8 batteriebetriebe Pferdestärken und eine Höchstgeschwindigkeit von 64 km/h. Was Autojournalist Jonny Smith mit seinem lahmen Entlein gemacht hat, ist im besten Sinne pervers.Das britische Unternehmen Enfield Automotive produzierte bereits von 1969 bis 1976 Elektroautos. In Zeiten der Ölkrise war das nahezu revolutionär. Das zweisitzige Modell 8000 wurde am häufigsten gebaut. Das kleine E-Auto ist keine drei Meter lang und auch sonst gehört es unbedingt in die Kategorie Kleinstwagen. Ein Mini wirkt dagegen wie ein Raumwunder. Im Gesamten wurden etwas mehr als einhundert Exemplare gebaut. Heute sind sie in der Hand von Liebhabern und Sammlern.

Jonny Smith erstand seinen Enfield 8000 im nicht fahrbereiten Zustand. Das Minivehikel hatte einen Wasserschaden, der die Batterien des Elektromobils unbrauchbar machte. Das war für den ausgefuchsten Briten jedoch kein Problem. Im Gegenteil, die alten Akkus wären eh rausgeflogen, denn zum Plan gehörte, den Elektrozwerg kräftigst zu tunen. Nachdem ein Überrollbügel, verstärkte Bremsen und alle möglichen nötigen Umbauten passten, wurden dann auch gleich zwei Elektromotoren eingebaut. Diese werden – ausnahmsweise ganz ohne britisches Understatement – von 2 Batterien mit reichlich Energie versorgt, die normalerweise zum Betreiben der Mini-Gun und zum Starten eines Bell SuperCobra Helikopters genutzt werden. Ein Getriebe gibt es nicht, die Motoren treiben direkt die Hinterachse an. Das Ergebnis: eine ungeheure Leistung von mindestens 800 PS und über 1.200 Nm Drehmoment, welches über das gesamte Drehzahlband zur Verfügung stehen. Der reinste Wahnsinn! Hinzu kommt, dass der Umbau völlig legal ist. Das Auto ist zugelassen und kann regulär auf der Straße bewegt werden.

Smith taufte seinen Enfield dann auch passenderweise „Flux Capacitor“. Das namensgebende Gerät ist im Film „Zurück in die Zukunft“ dafür zuständig, dass der DMC DeLorean so viel Saft bekommt, dass er zur Zeitmaschine wird. Das Raum-Zeit-Kontinuum kann der Enfield Kleinst-Bolide nun nicht aus dem Gefüge bringen. Aber die gesammelte Konkurrenz der Elektrofahrzeuge in Grund und Boden fahren. Für die Viertelmeile (entspricht 402,34 Metern) hat der britische Wagen lediglich 9,86 Sekunden gebraucht. Das bedeutet, dass am Ziel knapp 195 km/h auf der Uhr standen. Rekord in der Klasse der zugelassenen elektrisch angetriebenen Autos.

Mit einer Beschleunigung von Null auf Hundert in unter drei Sekunden müssen aber nicht bloß E-Autos schlottern. Ein nicht gerade kleiner Anteil an Supersportwagen im sechsstelligen Eurobereich dürften bei einem Sprintrennen nur den nichtvorhandenen Auspuff des Flux Capacitors sehen. Bei diesen Beschleunigungswerten ist es auch nicht weiter fraglich, dass eine Wheelybar angebracht werden musste, um das Auto auf dem Boden zu halten. Eine unglaubliche Geschichte, die zeigt, was mit der Elektromobilität alles möglich ist. Wenn nun noch die Reichweitenproblematik zufriedenstellend gelöst werden kann, steht einem baldigen emissionsfreien Fahren nichts mehr im Weg. Und wie man sieht, muss man dabei nicht mal auf hohe dreistellige PS-Zahlen verzichten. Also nicht zurück, sondern auf in die Zukunft mit dem Flux Capacitor!

Text: Max Schneider
Fotos: Julian Hunt, Jonny Smith (www.flux-capacitor.co.uk)