Technikmuseum Berlin: Auto-Historie beim Tag der Offenen Tür

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Für Liebhaber alter Fahrzeuge und für Entdecker: Das Depot für Kommunalverkehr des Deutschen Technikmuseums Berlin öffnete zum 19. Mal seine Türen. Das Areal im Stadtteil Kreuzberg lud an allen September-Sonntagen ein und zeigte auf mehr als 4.000 Quadratmetern seine Schätze aus 150 Jahren Öffentlichen Nahverkehrs. Zu den Attraktionen gehörten mehr als 50 historische Fahrzeuge der BVG (Berliner Verkehrsbetriebe), Feuerwehr, Straßenreinigung, Nutzfahrzeuge und Privatautos. Tausende Besucher bestaunten die für Berlin so typischen Schnauzenbusse aus den 1920er und 1930er Jahren sowie Kultautomobile wie den Cadillac 62 Series de Ville. Das General Motors-Gewächs war jahrzehntelang das Volumenmodell der US-amerikanischen Automarke Cadillac, wurde von 1956 bis 2005 gefertigt. Große Beachtung bei den Gästen aus nah und fern fanden außerdem sowjetische Staatslimousinen, darunter den selten zu Gesicht bekommenden ZIL 114 von 1969 sowie den Jagdwagen von Ex-Partei- und Staatschef Erich Honecker.

Ferner präsentierten sich ein Opel-Stromlinienbus von 1938, 14 Straßenbahnwagen, 4 U-Bahn und 3 S-Bahnwagen, 20 Lastwagen, darunter der Bergmann-Elektro-Paketauslieferungswagen, der Ford-Holzvergaser-Lkw, Baumaschinen wie die Dampfstraßenwalze der Berliner Maschinenbau AG von 1890 sowie Kultautomobile wie der Edsel Ranger von 1958 oder der NSU Ro 80.Mit dabei war der Bergmann Elektro-Paketwagen von 1944 Die Bergmann-Werke in Berlin Wilhelmsruh zählten einst zu den führenden Herstellern von akkubetriebenen Lkw. Vor allem Postpaketämter setzten diese robusten Fahrzeuge ein. Das Exemplar war bis 1967 im Fuhrpark des Postamtes im Ostteil der Stadt beheimatet und scheint das einzig erhaltene Fahrzeug dieses Typs zu sein. Der ausgestellte Wagen hatte einen Aktionsradius von bis 70 Kilometern. Danach musste die Batterie ausgewechselt bzw. ans Ladegerät angeschlossen werden. Technische Daten. Motor: Gleichstrommotor; Dauerleistung: 4,5 PS; Länge: 4,4 m, Breite: 1,8 m, Höhe: 2,1 m.

Etwas versteckt steht die sowjetische Staatslimousine ZIL 114 von 1969. Sie erinnert stark an US-amerikanische Straßenkreuzer. Gebaut wurde der ZIL 114 in den Moskauer Lichatschow-Werken, die heute noch neben Lkw Staatskarossen für die politische Führungsspitze des Landes herstellen. Das in Berlin ausgestellte Fahrzeug diente als Repräsentationslimousine bei Staatsbesuchen in der Ex-DDR. Vom ZIL 114 kamen laut Museumsangaben in der Ex-DDR nur sechs Fahrzeuge zum Einsatz. Generalinspektionen wurden nur in Moskau vorgenommen. Technische Daten. Motor: 8-Zylinder-V, Leistung: 320 PS, Hubraum: 7.680 ccm, Leermasse: 3.335 kg; Länge: 6.339 m, Breite: 2.086 m, Höhe: 1.500 m, Sitzplätze 7; Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h.

Mehr als sechs Fahrzeuge fuhren in der Ex-DDR vom sowjetischen Tschaika (russisch: Möwe), einer Luxuslimousine des Gorkierer Automobilwerks (GAZ). Ein Exemplar aus dem Jahr 1973 gab es in Berlin zu sehen. Die Edelschlitten wurden von 1959 bis 1988 in der UdSSR gebaut. Stilistisches Vorbild war wohl der US-amerikanische Packard Patrician von 1955. Auch der Tschaika kam ausschließlich für die Staatsspitzen des ehemaligen Ostblocks zum Einsatz. Insgesamt verließen davon knapp 3.200 Exemplare die Werkhallen. Die Motorleistung lag bei 195 PS, das Fahrzeug hatte einen 8-Zylinder-V-Motor mit 5.438 Liter Hubraum. Das Gewicht betrug um die 2.000 kg, Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 160 km/h und auf 100 Kilometer „schluckte“ der Wagen rund 21 Liter. Ein Verkauf an Privatpersonen erfolgte nicht. Gut erhaltene Modelle aus den 1980er Jahren wurden vor einiger Zeit zu Preisen um die 17.000 Euro gehandelt.Zu guter Letzt stand im Blickfeld der Besucher der Jagdwagen von Erich Hocker (Ex-Partei- und Staatschef der ehemaligen DDR) – ein englischer Range Rover von 1987. Das in Berlin zu sehende Exemplar wurde von der Halenseer Firma Rometsch laut Museum für knapp 200.000 DM umgerüstet. Der Wagen besitzt eine um 50 Zentimeter verlängerte Karosserie, ein hydraulisch aufklappbares Verdeck (Rolls-Royce-Mechanik) und an den Hintertüren elektromechanische ausfahrbare Gewehrstützen. Technische Daten. Motor: 8-Zylinder-V8-Aluminium-Motor, Leistung: 173 PS, Hubraum: 3.900 ccm; Höchstgeschwindigkeit: 167 km/h.

Text und Fotos: Erwin Halentz

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