Buchtipp der Woche (1)

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Volker Klüpfel, Michael Kobr: Herzblut. Kluftingers neuer Fall. Droemer Verlag; 19,99 Euro.

Wenn schon auf den ersten Seiten ein Lodenmantel auftaucht, dann rechnet man vielleicht mit Jagdunfällen oder Brotzeiten, auf jeden Fall aber mit etwas Gemächlichem. Nicht so bei Kluftinger! Da geht es um einen Mordverdacht, um einen anonymen Handyanruf – und das sind keine Hirngespinste als Folge von überdosiertem Schweinsbraten, wie die Kollegen mutmaßen. Was bleibt einem da anderes übrig, als die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Zuerst findet Kluftinger viel Blut, aber immer noch keine Leiche. Also doch nur schlecht geträumt? Unruhiger Schlaf als Folge der kalorienreichen fleischlichen Nahrung? Es dauert, bis sich herausstellt, dass Kluftinger sehr wohl den richtigen Riecher hatte – es dauert fast (aber nur fast!) zu lange.

Um den Tatort im Ersten ist in den letzten Monaten sehr viel geschrieben und diskutiert worden, von der Titelmelodie bis zu neuen Ermittlern, allen voran Til Schweiger, der sich eher an amerikanischen Cop-Formaten als an seinen NDR-Vorgängern orientieren will. Mehr Action, weniger Regionaltypisches, jüngere Ermittler. Dabei ist der beliebten deutschen Krimiserie im TV längst eine ernstzunehmende Konkurrenz in Buchform entstanden. Wer das Lokalkolorit am Bildschirm vermisst, kann es gedruckt (oder als e-Book) haben. Zum Beispiel bei Kluftinger, der absolut das Zeug zur Kultfigur hat. Zumal er, wiewohl erfolgreicher Kommissar, in einer Nebenhandlung einer Art Höchststrafe entgegensieht: Schonkost statt Kässpätzle, Cholesterinarmes statt Schweinsbraten. So was scheint medizinisch angezeigt zu sein. Gerade solche Schrullen, in Verbindung mit spannenden Erzählsträngen, machen den Reiz der Krimis à la Kluftinger aus. Dabei steht er auch privat unter Druck: Seit Tagen leidet er unter heftigem Herzstechen und befürchtet sofort das Schlimmste. Eine demütigende Untersuchung bei Erzfeind Doktor Langhammer scheint das zu bestätigen. Doch der Kommissar ist entschlossen, das Ruder noch einmal herumzureißen. Aber ob fleisch- und kässpatzenarme Ernährung und ein Yogakurs da die richtigen Mittel sind?

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