SUV-Markt: Ein Stühlerücken

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Munteres Ranking-Hopping kennzeichnet das Zulassungsjahr 2012 für SUV- und Geländefahrzeuge. Außer der Position Nr. 1 des VW Tiguan, die konstant geblieben ist, gab es ein munteres Bäumchen- wechsel- Dich- Spiel in den monatlichen Ranglisten. Es ging also im Prinzip nur stets um die Frage: wer ist auf den Rängen 2 bis 50 zu finden und wer wechselt mit wem? Und da ist seit dem Sommer 2012 richtig was los: als wolle keiner dem anderen einen Platz höher gönnen, wird um jede Zulassungsposition gerungen und gefightet. Gut, der Klassenprimus gilt unter Designern als Langweiler, aber er kommt eben aus Deutschland und trägt das VW-Emblem auf der Stirn. Und der Verbrauchsärmste ist er auch nicht und teuer noch dazu…Hinter ihm jedenfalls geht's gar munter zu.

Die Konkurrenz hat mächtig aufgeholt und sie kommt auch und vor allem aus dem Ausland. Vorneweg der Nissan Qashqai, auf Augenhöhe Škodas Yety, KIA schiebt den neuen Sportage kräftig nach vorne, was Hyundai mit dem iX 35 und seinem Geschwister, dem Santa Fe, bereits gelungen ist. Natürlich haben sich auch deutsche Modelle ordentlich etabliert: BMW X3 und X1, Audi Q5 und Q3, Ford's Kuga (noch immer die erste Generation!), und sogar das formal doch etwas verunglückte Stuttgarter Modell GLK. Die klassischen 4×4- Geländewagen hingegen verlieren zunehmend an Einfluss und tummeln sich erst ab der Mitte nach hinten: zu groß, zu schwer, zu durstig: genau diese Argumente sorgten damals für das vorzeitige Aussterben der Saurier. Aufs Ganze gesehen ist ein Rückgang an neuen Zulassungen knapp unter 2 Prozent zu konstatieren. Nur Kleinstwagen und vor allem die SUV's stehen blendend da: Zuwachsraten um die 18% durften da gut geschrieben werden. Und wie sieht die Szene kurz vor Jahresende aus? Da darf tief Luft geholt werden und die deutschen Hersteller werden sich die Hände reiben, ist es ihnen doch gelungen, die ernst zu nehmende Schar der Mitbewerber, zumindest für den Monat November auf dezente Distanz gehalten zu haben. Während sich der Tiguan ungestört an der Spitze räkelt, belegen die Audi- Modelle Q5 und Q3 den Rest des Siegertreppchens. Erst dann auf 4 und 5 sind die Bajuwaren aus München zu finden: X3 und X1, die untereinander getauscht haben. Erst auf 6 erscheint das erste Stuttgarter SUV: der GLK. Die folgenden 3 Plätze 7-9 aber schon fest in Importeurshand: der Nissan Qashqai, der schon das ganze Jahr über die deutschen Hersteller ärgerte, der Yeti von Škoda und der iX 35 von Hyundai. Etwas abgestürzt im Ranking der Dacia Duster, der Anfang bis Mitte des Jahres noch für Aufregungspartikel gesorgt hatte. Die ganz schweren Urviecher wie BMW X5 und X6, Range Rover, Porsche Cayenne und Audi Q7 werden langsam, aber sicher in's dritte Glied verschoben, haben aber noch immer ihre Stammklientel.

Seltsam sind die Positionen der beiden Geschwister Opel Antara und Chevrolet Captiva: Sie entfernten sich voneinander immer mehr. Aktuell befindet sich der Captiva auf einem ordentlichen 28. Rang (von über 60), während der Antara, der auch kaum beworben wird, weiter im Sinkflug inzwischen auf Platz 50 dahin dümpelt. Alles schwer zu verstehen bei Opels. Den größten Satz hat andererseits der brandneue Opel Mokka gemacht, erst seit wenigen Wochen auf dem Markt unterwegs und gleich auf Platz 34 vorgestoßen. Was uns das sagt? Dass das junge und frische Konzept der Rüsselsheimer offensichtlich mehr und bessere Überlebenschancen aufweist als der in die Jahre gekommene Antara. Den höchsten Anstieg aber weist der Range Rover Evoque auf, der binnen eines knappen Jahres mit 470 % Plus auf Platz 22 geschnellt ist: technische Innovation und offensives Design sind hier glücklich miteinander verheiratet worden. Es geht doch!

Text: Frank Nüssel
Quelle: KBA
Bilder: Frank Nüssel, Ute Kernbach

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