Essen Motor Show: Es kann nicht schrill und bunt genug sein

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Vielfalt statt Eintönigkeit, bunter Pop statt stereotyper Aufmachung und immer wieder kehrender, fader Optik: Der Drang und der Wille nach grenzenloser Individualität macht bei der Essen Motor Show vor nichts halt. Da kann es mitunter gar nicht schrill und schreiend genug sein: Bei den Formen und Farben für Felgen aller Größen beispielsweise. Doch auch für den geliebten fahrbaren Untersatz, der bloß nicht schwarz, weiß oder silbern sein darf, lassen sich die echten Freaks mitunter „Verschönerungen“ einfallen, die das Maß des Vorstellbaren, und manchmal auch des Erträglichen, sprengen.

Messe-Besucher, denen es Felgen in Knallbonbon-Farben wie auf dem hier zu sehenden Bild angetan haben, finden gleich eine Reihe weiter, die passenden Bürsten und Borsten dazu. Angefangen von haarigem Werkzeug für den ganz groben Schmutz bis hin zu Miniatur-Bürstchen für den Glanz im kleinsten Felgenwinkel. Für die in der Regel männlichen Messe-Besucher, die der Pubertät soeben entwachsen sind, sind ein paar „optisch getunte“ junge Damen am Stand neben viel Chrom und Glitzer durchaus verkaufsfördernd. Und so haben etliche Aussteller ihre Stände nicht nur mit ihren neusten technischen Errungenschaften auf zwei oder vier Rädern, sondern auch mit entsprechendem weiblichem Dekor versehen.

Natürlich ist Essen auch in diesem Jahr wieder Treffpunkt etlicher Motorsportler, die am Stand eines Tuners oder Zubehör-Lieferers fleißig Autogramme geben. In der Regel lässt sich da kein Vettel, kein Schumacher oder kein Cortese sehen. Aber reichlich B-Promis aus Serien wie etwa ADAC GT Masters, Langstreckenpokal oder Cross-Wettbewerben lassen sich noch bis zum kommenden Sonntag für anregende Benzin-Gespräche sehen. Man muss nur ein wenig aufmerksam durch die Hallen gehen. In der Regel werden Autogrammstunden oder Stand-Besuche lautstark angekündigt. Wer sich aufregende Fahrzeuge aus den Tourenwagen- und Sportwagenserien, wie etwa das Siegerfahrzeug der VLN-Langstreckenmeisterschaft, einmal aus nächster Nähe mit Ruhe und Bedacht ansehen möchte, ist indes am rechten Platz.

Auf jeden Fall aber lohnt sich auch ein Streifzug durch die Motorradhalle: Dort sind in diesem Jahr die kleinsten Geräte die größten Hingucker. Wie etwa der „Scooter Attack“. Das ist der wahre Kampfname des 26 PS starken Rollers mit einer Vespa-Einzylinder. Das nur 35 Kilo auf die Waage bringende Leichtgewicht ist für Dragsterrennen gebaut. Beim Kavaliersstart an der Ampel lässt das Gerät jedenfalls locker einen herkömmlichen Ferrari stehen. Für die ganz Harten gibt es noch eine Zweizylinder-Version, die in drei Sekunden auf Tempo 100 sprintet.

Ohnehin gibt es Errungenschaften der Automobil- und Motorrad-Technik, die so „verrückt“ sind, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes nur in Essen zu bestaunen sind. Dazu gehören etwa tiefer gelegte Pick-Ups oder ein schwedisches Unikat: Der Volvo PT 21 wurde in den 1950er Jahren für das Militär des Königreiches gefertigt, jetzt steht er als feldgraues Monster in den Grugahallen auf ultragroßen Reifen mit einer Höhe von 2,15 Metern. Der Fantasie und dem Drang nach Größenwahn sind jedenfalls keine Grenzen gesetzt. Bis Sonntagabend in Essen (auch mit preiswertem Nachmittags-Ticket) noch in Augenschein zu nehmen.

Text: Jürgen C. Braun
Fotos: Jürgen C. Braun und DMV TCC/UHSport GmbH

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