Buchtipp der Woche

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Wolfgang Korn: Von der Lust am Eigensinn. 11 unbequeme Deutsche, die Geschichte schrieben. Theiss Verlag; 19,95 Euro.

Schon der Einband weist auf den Inhalt hin: Ungewöhnlich wertig wirkt er – mit geprägten Buchstaben und einem gespielten e in der Wortmitte von Eigensinn, denn genau darum geht es. So wird er schon in der handwerklichen Aufmachung bewiesen, denn in einer Zeit, in der Verlage oft genug von Anfang an mit dem Rotstift verlegen müssen und an der Herstellung sparen (man kann es ihnen nicht verdenken!), findet man solche Bücher eher in Antiquariaten denn im Sortimentsbuchhandel.

Der Eindruck setzt sich beim Lesen fort: Wolfgang Korn entdeckt tatsächlich eine Gemeinsamkeit zwischen Ulrike Meinhof und Franz Josef Strauß, und beide sind zudem Rudolf Bahro, Samuel Hahnemann und anderen ähnlich. In punkto Eigensinn jedenfalls.

Aber was ist das eigentlich? Als das Unbequem-Sein-Müssen, weil man selbst nicht anders kann und sowieso von einer Idee überzeugt ist, beschreibt Wolfgang Korn sein Thema. Eigensinn hat also nichts damit zu tun, einfach mal aus Prinzip dagegen zu sein, weil man's für chic hält und mit Selbstbewusstsein verwechselt, wohl aber mit etwas, das man für richtig erkannt hat und nicht gleich beim ersten Gegenwind wieder über Bord wirft.

Das kann positiv und negativ zugleich sein. So stellt sich Samuel Hahnemann hier als Querkopf dar, der mit seiner Persönlichkeit Gegner oft genug vor den Kopf stieß, ihnen damit Futter für den Kampf lieferte und auch gar nicht konziliant sein – konnte oder wollte, das bleibt offen. Umstritten ist die Homöopathie als medizinische Lehre jedenfalls bis heute, und dass ein Mediziner sie mit der geltenden akademischen Lehre verbindet, ist immer noch nicht die Regel. Auch wegen einer kontroversen Beweislage, ob's nun de facto wirkt oder nur auf dem Wege, dass der Glaube des Patienten an Tropfen und Globuli eine Besserung begünstigt.

Aber was hat das nun mit Ulrike Meinhof, Franz Josef Strauß und anderen zu tun? Alle Porträtierten standen für eine klare Überzeugung und wurden darüber zur öffentlichen Person. Wiewohl das bayerische Politik-Urgestein hier wesentlich weicher erscheint als in vielen medialen Darstellungen zu Lebzeiten (1915-1988), bleibt man nach der Lektüre des Kapitels über Ulrike Meinhof ratlos zurück: Auch ihr Bekenntnis zur Gewalt als Mittel gegen soziale Ungerechtigkeit rechtfertigt nach Korn nicht den Hass, der ihr (der ehemaligen Journalistin, die mit spitzem Stift Missstände aufzeigte) entgegenschlug. Mit Thomas Müntzer, Rosa Luxemburg, Franziska Anneke und anderen kommen aber auch Persönlichkeiten ins Bild, die man heute nur noch schemenhaft oder gar nicht mehr einordnen kann.

Ein ungewöhnliches Buch also, eines, das keinen kurzfristigen Bestseller verspricht und dem man viel Werbung im klassischen Buchhandels-Sinne (sprich: persönliche Empfehlung vom Buchhändler des Vertrauens an den vertrauten Kunden) wünscht. Nicht zuletzt wegen eines kommentierten Literaturverzeichnisses, das Lust macht aufs Weiterlesen anderer Texte zu den porträtierten Personen.

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