Dakar: mit Haken und Ösen ins finale Furioso.

Foto 1
Foto 2
Foto 3
Foto 4

Noch am Morgen fauchte Robby Gordon: Ich werde heute die Minis nach Strich und Faden vermöbeln, sie zur Schnecke machen. Da steckte noch die Vortagswut in ihm, weil aus dem gegnerischen Lager Zweifel an der technischen Korrektheit seines Hummer laut wurden. Eine erste technische Nachprüfung durch die Kommissare bestätigte den Verdacht. Dann verfiel Gordon in den gleichen Fehler, der bereits seinem Ex-Kompagnon Nasser al Attiyah zum Verhängnis geworden war: Statt cool zu bleiben, ließ er sich vom Bauchgrummeln motivieren, verlor nicht nur die Contenance, sondern auch die Übersicht, verfuhr sich, strapazierte die Technik, versenkte gar den Hummer im Tiefsand und zum krönenden Abschluss drehte er sein Arbeitsgerät mit einem Looping sogar aufs Dach. So warf er schlussendlich den Podiumsplatz weg und wurde zum Gespött der übrigen Teilnehmer. Es ging natürlich auch durch die berüchtigten Dunas de Cervo Blanco. Nur wer absolut klar im Kopf blieb und maßvoll mit der Landschaftsstruktur umging, hatte Chancen. Die nutzte Stéphane Peterhansel auf seinem Mini am klügsten, fuhr den Tagessieg ein und legte einen klaren Distanzteppich zur schärfsten Konkurrenz, zumal Nani Roma seine letzte Chance, den großen Favoriten noch zum Stolpern zu bringen, bei Kilometer 182 im Pulversand versenkte und sich 22 Minuten einfing. Zu seiner Entschuldigung sagte er uns: Um einem Motorradfahrer auszuweichen, den ich sonst abgeschossen hätte, wichen wir aus und gerieten in ein tiefes Windloch, das war's dann mit dem durchaus möglichen Sieg. Da auch die umliegenden Mitbewerber um's Podium so ihre Schwächen zeigten, hatte Nani Glück, den 2. Gesamtrang zu halten. De Villiers/von Zitzewitz machten aber erneut einen glänzenden Eindruck: Ihnen gelang mit dem 2. Tagesrang die Zementierung des Gesamt-Dritten. Damit dürfte für Altmeister Peterhansel der 10. Gesamtsieg bei einer Dakar-Rallye nur noch Formsache sein. So sein zuverlässiger Mini hält und er nicht von einem anderen abgeschossen wird. Der Preis für den größten Pechvogel des Tages gebührt dem deutschen BMW-Team Schott/Schmidt, das vor einer Düne anhielt und von einem rückwärts manövrierenden Race-Lkw gerammt und seines Vorderbaus beraubt wurde. Und das nach einem zwischenzeitlichen 11. Tagesrang!
Die finale Etappe von Pisco in die peruanische Hauptstadt Lima wies dann nur noch 29 Wertungskilometer auf und – analog zu früheren Afrika-Zeiten – gilt diese letzte Prüfung nicht mehr als Attacken-Finish: Wer nach 13. Tagen seinen Platz eingefahren hat, darf und soll als stillschweigende Belohnung drauf bleiben. Eigentlich somit egal, wer diese Prüfung gewinnt. Und genauso kam es!
Peterhansel fuhr seinen insgesamt 10. Dakarsieg ein, Nani Roma auf Platz 2: sein bislang größter Erfolg und damit Doppelsieg für die X-Raid-Minis! Giniel de Villiers auf dem Toyota Hilux verteidigte seinen feinen 3. Rang bis aufs Podium. Und Novitskiy/Schulz brachten ihren Mini auf Platz 4. Der beste Platz, den je ein Russe bei einer Dakar (in der Pkw-Wertung) herausfuhr. Alle 5 Minis unter den Top-Ten. Und alle 3 X-Raid-BMW (12, 16, 31) in Wertung von 78 Übriggebliebenen. Selbst Stephan Schott, der nach unverschuldetem schweren Unfall am Vortag kurz vor der Aufgabe stand, trieb seinen KS-Tools-X3 CC noch auf den 31. Platz! Da hatten die Servicetechniker und Mechaniker die Nacht über alle Hände voll zu tun und haben Meisterliches geschafft.
Gordon fegte zwar die letzten 29 km Prüfung noch mal wie ein Sturm durch die Dünen, was ihm nichts mehr nützte: Selbst Novitskiy verdrängte ihn auf dem Mini noch auf Platz 5, wenn er sogar den noch behalten darf, Protest läuft nämlich.Eine der spannendsten Dakars der letzten 10 Jahre ist beendet und hat einen in allen Belangen würdigen Sieger gefunden.

Text: Frank Nüssel/CineMot
Bilder: Teams

Scroll to Top