Film-Tipp – Tatort: Duisburg-Ruhrort

Er löste überwiegend mediales Entsetzen aus, damals, am 28. Juni 1981: Der Nachfolger des lange im Ruhrpott ermittelnden Kommissar Haferkamp alias Hansjörg Felmy kam daher wie dessen völliger Gegenentwurf. Ok, dass der immer korrekt auftretende Ermittler nicht einfach kopiert würde, war klar. Aber das: Völlig verkatert aufgewacht, zwei rohe Eier in ein Glas gekippt und zum Frühstück geschlürft, weil in einer unaufgeräumten Küche (vorsichtig formuliert) nicht mehr Essbares zu finden war und dann zum Dienst geeilt – nach optimierbarer Körperhygiene (ebenfalls vorsichtig formuliert). Nicht ohne im Vorbeigehen noch einen jener Kraftausdrücke loszuwerden, für die Horst Schimanski alias Götz George später berühmt wurde.

Vorbei, vergessen, Geschichte – das zitierte Entsetzen jedenfalls. Schimanski ist Kult. Denn schon bald entpuppte sich das Konstrukt als clever angelegt. Kollege Thanner nämlich hatte durchaus Ähnlichkeit mit Haferkamp und bremste den Draufgänger Horst oft genug aus. Bevor der die mit einer Hand erreichten Erfolge mit der anderen wieder vernichten würde … Der Haudegen und der nur auf den ersten Blick langweilige „Schreibtischtäter“ – das hatte Potential. Auf Jahrzehnte.

Mit „Duisburg-Ruhrort“ fing alles an. Diese Folge gibt es nun in aufwändiger Neubearbeitung. So wirken Bilder, Dialoge und Szenen noch besser als in der Ur-Version. Dazu gibt’s eine CD mit Liedern, die Schimanskis, Thanners und Hänschens (Chiem van Houweninge) Ermittlungen untermalten: Westernhagen, Chi Coltrane, Irmin Schmidt von „Can“, David Knopfler, Klaus Lage – die Liste der Interpreten spricht für sich.

Ironie der Geschichte: Eberhard Feik, der so überzeugend den Thanner gab, hatte im richtigen Leben so aus dem Vollen geschöpft, wie es Schimanski im Film mit seiner chronisch ungesunden Lebensweise tat. Feik starb 1994, Götz George 2016.

Tatort: Duisburg-Ruhrort (Blu-ray und CD)

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