Quartett Infernal: Motorrad-Weltrekorde in Nardò 1981 (2/2)

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Nun sollte im apulischen Spätherbst auch die bisherige Bestmarke über 6 Stunden fallen, frei nach dem Motto: Wenn wir schon mal mit Erfolg unterwegs sind … Also fand sich die Crew am Sonntag, 26. Oktober 1981, taufrisch und ausgeruht wieder im Betonorbit von Nardò ein. Leichter Wind, der von Bosnien-Herzegowina über die Adria blies, war aufgekommen. Nicht die allerbesten Voraussetzungen für Langstrecken-Weltrekordversuche.

Die Vorbereitungen verliefen präzise, zügig und doch war allen eine gewisse Spannung anzumerken. Die zweite Suzuki Katana wurde frisch betankt, erhielt einen neuen Satz der Pirelli Hochgeschwindigkeitsreifen, ein letzter Check unter den Argusaugen beider FIM-Delegierter, die bereits am Vortag wichtige Komponenten verplombt hatten. In enger Absprache mit den vier Fahrern wurde die Startreihenfolge diskutiert: Wer übernimmt Turn 1, wer Turn 2, wer Turn 3, wer Turn 4 und wer die letzte halbe Stunde bis zur Absolvierung der 6. Stunde. Bei jedem Stopp wurde der Fahrer gewechselt, Kraftstoff aufgefüllt, Reifencheck gemacht.

Peter Maierbacher, der athletischste unter den Vieren, übernahm den Start zum 2. Versuch über die 6 Stunden. Blitzschnell saß er hinter der Vollverkleidung, startete und nahm schon nach wenigen Metern optimale Haltung ein. Er befand sich auf der ersten Etappe zum 5. Weltrekordversuch. Auch die anderen Fahrer Fischer, Hufstadt und Güttner kommen der Reihe nach dran. Bis dann wieder Peter Maierbacher die 5. Stunde bei 250 km/h einläutet. Und plötzlich fehlt. Wieder war es Dr. Huber, der auf seinem Rechner eine Unregelmäßigkeit der Ferndaten feststellte, auch die Zeitnehmer sprangen plötzlich auf, alles rannte los. Maierbacher wurde von einem Missgeschick getroffen, das so mancher Motorradfahrer aus eigener Erfahrung kennt: Kettenriss. Nur eben bei über 250 Sachen. Ohne Hinterradbremse. Die Kette war glücklicherweise dank der enorm hohen Rotationskräfte in 2 Teile zerlegt worden, einer flog gleich nach hinten weg, der andere traf kurz das Bein des Fahrers und hinterließ lediglich einen deutlichen Gliederabdruck. Damit waren 4 Weltrekorde in beeindruckender Weise pulverisiert worden, nur der 5. hatte nicht geklappt. Abbruch des Versuchs, da ein erneuter Start bei Kilometer Null für weitere 6 Stunden aus dem Zeitraster der Streckenanmietung fiel. Erleichterung, Stolz und Freude bei allen Beteiligten.

Der Chronist war live mit dabei, damals vor 30 Jahren. Unvergesslich!

Text: CineMotFrank Nüssel
Fotos: Wolfgang Drehsen

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