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Warum ein Auto eines französischen Herstellers ausgerechnet den (sowohl englisch als auch deutsch auszusprechenden) Namen „Wind“ getauft wurde, erschließt sich auf den ersten Blick nicht ganz. Doch da Namen ohnehin meist nur Schall und Rauch sind, wollen wir es auch bei dieser ersten kleinen Replik belassen und uns mehr mit dem Träger dieser Bezeichnung beschäftigen. Ein kleiner, schnittiger, von hohen und steifen, seitlichen Flanken eingefasster Spaßbringer mit einer unkonventionellen, aber sehr praktischen, weil Kofferraum offerierenden Dachkonstruktion.

Das kleine französische Klappdach-Cabrio ruht auf der Plattform des kompakten Stadtflitzers Twingo, ist allerdings um 23 Zentimeter länger als dieser (3,83 Meter). In der Regel „fressen“ die Konstruktionen von Konkurrenz-Fahrzeugen dieser Art (zu sehen beispielsweise bei Mitsubishi, Nissan oder Opel) jede Menge Stauraum, den das Hardtop beansprucht. Renault hat sich da – man mag es kaum glauben – ein wenig bei Ferrari angelehnt, denn auch der „575 Superamerica“ öffnet sich nach dem Prinzip des schwenkenden Daches.

Beim Öffnen schwingt sich das Dach steil in die Höhe, klappt – quasi wie bei einem doppelten Boden – dann auf einer Achse in Höhe der B-Säule um 180 Grad nach hinten, um dann mit der oberen Seite seinen Platz auf der Heckklappe zu finden. Zu guter Letzt senkt sich die gesamte Dachabdeckung wieder in die Ausgangslage. Klingt ein bisschen kompliziert, hat aber den Vorteil, dass so erheblich mehr Kofferraum übrig bleibt, als dies bei vergleichbaren kleinen CC-Modellen der Fall ist. (270 Liter genau.)

Der Renault Wind versucht erst gar nicht, sich als verkappter Viersitzer mit zwei „angeflanschten“ Notsitzen zu verkaufen. Auf den beiden Ledersitzen mit einer steil aufragenden Rückenlehne genießt man demzufolge auch viel Beinfreiheit. Einmal Platz genommen, fühlt man sich in diesem Fahrzeug von beiden Seiten mit steilen Flanken und hoher Linienführung der seitlichen Abrisskanten regelrecht „eingepackt“. Was dazu führt, dass man im Renault Wind dem Selbigen auch dann bei nicht herabgelassenen Seitenscheiben durchaus noch trotzen kann, wenn es draußen ein wenig stürmisch zugeht. Das wirkt dann richtig ein wenig behaglich. Allerdings spiegelt sich das Armaturenbrett etwas störend in der Scheibe.

Diese Konfiguration geht allerdings zum Teil auch zu Lasten der Übersichtlichkeit des Fahrzeugs. Die flache Frontscheibe erlaubt kaum eine Lücke zur B-Säule und nach hinten fehlt es angesichts eines breiten Überrollbügels ziemlich an der Rangierfreundlichkeit. Die Karosse des Renault Wind besticht dagegen mit einer enorm hohen Steifigkeit. Das wiederum wirkt sich positiv auf das Fahrverhalten des kleinen Franzosen aus, der sich in seiner spurtreuen Agilität scheinbar durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Da machen Ausflüge überkurvenreiche Geschlängel in der Region mit dem 101 PS starken Fronttriebler so richtig Spaß in diesen späten Sommertagen. Zumal das Fünfgang-Getriebe die Kraft ohne großes Hakeln bei der Linienführung auf den Asphalt überträgt.

Die Rückmeldung der Lenkung ist intensiv, Lastwechsel lassen den Renault Wind kalt und auch die Federwege haben einen annehmbaren Kompromiss zwischen Sportlichkeit und nachgiebiger Auslegung gefunden. Der Sound des 101 PS starken, aufgeladenen Vierzylinder-Benziners schwankt irgendwo zwischen kernig und rau. Für ein gerade mal 1.200 Kilogramm leichtes Fahrzeug dieser Auslegung ist er jedoch durchaus ausreichend, wenn man ihn denn im oberen Drehzahlbereich belässt. Das wiederum merkt man an der Tankstelle. Wir lagen im Schnitt bei etwa 7,2 Liter Treibstoff auf 100 Kilometer. Die Höchstgeschwindigkeit gibt der Hersteller mit 190 km/h an.

Die Sicherheitsausstattung des Coupé-Cabriolets sind angemessen: Schon in der Grundausstattung gehören vier Airbags, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, elektrische Fensterheber und elektrisch einstellbare Außenspiegel zur serienmäßigen Ausstattung. Das ganze wird ergänzt durch eine MP3-taugliche 2×20-Watt-CD-Anlage, die mittels Lenkradbedienung gehandelt werden kann.

Die Preisliste für den Renault Wind beginnt mit der von uns gefahrenen Motorisierung bei 16.900 Euro.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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