Rückblick: Das war 2009 als Auto-Jahr

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Was für ein Jahr! Im Sprachduktus der englischen Königin würden wohl viele Autohersteller das Jahr 2009 als annus horribilis, also als schreckliches Jahr, bezeichnen. Damals – 1992 – wurde das englische Königshaus durch familiäre und daher sehr publikumswirksame Skandale, Liebschaften und Scheidungen und zu allem Überfluss noch durch den Großbrand von Windsor Castle erschüttert. Das Autojahr 2009 bot beziehungsweise bietet ebenfalls Spannung pur – inklusive Liebschaften, Scheidungen und handfester Familienstreitereien.

Fangen wir doch bei letzteren an. Warum sollte es bei Porsches und Piëchs anders zugehen als bei Maiermüllerschmidts. Wenn es um Geld, Einfluss und Ansehen geht, hört der Familienfrieden schnell auf. Und wenn sehr viel Geld, Einfluss und Ansehen auf dem Spiel stehen, wie im Falle Volkswagen gegen Porsche und umgekehrt, wird schon einmal mit härteren Bandagen gekämpft. Am Ende langer Diskussionen, Verzockereien an der Börse und Übernahmeschlachten musste der einstige Porsche Vorzeige-Vorstandschef Wiedeking seinen Hut nehmen, das Stuttgarter Unternehmen wird zehntes Mitglied des VW Konzerns und alle Porsche- und Piëchs-Angehörigen haben sich wieder lieb – zumindest bei offiziellen Fototerminen.

Apropos: Liebhaben. In der abwechslungsreichen ON-OFF-Beziehung General Motors und Opel ließen die Amerikaner in letzter Sekunde die schon fertig ausgehandelte Scheidung platzen und verkündeten, es noch einmal miteinander versuchen zu wollen. Zunächst blieb den deutschen Beteiligten darüber fast die Spucke weg, selbst die Politiker wirkten sprach- und machtlos trotz Drohpotential in Form von Staatsbürgschaften. Der fast sichere neue Opel-Lebensabschnittsgefährte Magna zog schmollend ab. Wie geht es weiter? Zwar verspricht GM, alle deutschen Standorte zu erhalten, doch wie viele Mitarbeiter letztendlich ihren Job verlieren werden, ist noch nicht klar. Sicher ist nur, dass jemand in Detroit verstanden hat, wie wichtig die Marke Opel und ihre Technologiekompetenz für das Überleben von GM ist. Bleibt nur zu hoffen, dass daraus die richtigen Handlungen – auch für Opel – folgern. Nicht dass das traditionsreiche Unternehmen so gefleddert wird wie Saab. Zur Erinnerung: Gehört auch zu GM, sollte aber verkauft werden. Nachdem alle Interessenten nicht genügend Geld auftreiben konnten, geht das technische Knowhow an einen chinesischen Autobauer. Zurück bleiben 3.400 ab Januar arbeitslose Mitarbeiter und ein Museum mit sehenswerten Fahrzeugen aus 63 Jahren Saab-Geschichte.

Aber nicht alle Amerikaner sind so in den Schlagzeilen wie GM: Chrysler hält sich bedeckt, und wartet ab, wie es mit der Liaison mit Fiat weiter geht. Ford konnte dagegen durch geschicktes Verhandeln mit Banken, Gläubigern und Gewerkschaften einen Großteil seiner Verbindlichkeiten reduzieren und hat wieder Luft, zu investieren. Auch wenn es noch unklar ist, an wen die schwedische Fordtochter Volvo verkauft wird. Zurzeit sind noch drei Bieter im Rennen: je eine amerikanische und schwedische Investorengruppe und ein Unternehmen aus China. Immerhin die deutsche Tochter profitierte von der Abwrackprämie, die in Höhe von 2.500 Euro an den Käufer eines Neuwagens gezahlt wurde, wenn er denn sein mindestens neun Jahre altes Fahrzeug verschrotten ließ. Insgesamt fünf Milliarden Euro stellte noch die alte Bundesregierung bereit, um den Verkauf von Autos zu fördern. Vor allem Kleinst- und Kleinwagen wurden gekauft – oft in der Basisausstattung und mit wenig PS. Das senkte den Durchschnittsausstoß von CO2 und wirkte umsatzsteigend für alle Autobauer, die solche Modelle im Angebot haben. Lange Gesichter dagegen bei den deutschen Premiumherstellern, zumal die Nachfrage aus dem Ausland nach ihren prestigeträchtigen Karossen ebenfalls durch die globale Finanzkrise stark zurückgegangen ist. Und selbst die erfolgsverwöhnten deutschen Manager müssen sich nun immer öfter statt mit einer Oberklasse- nur mit einer Mittelklasselimousine als Dienstwagen zufrieden geben.

Sparen ist halt angesagt und das trifft auch die Formel 1. Gleich mehrere Teams haben ihren Rückzug aus der Königsklasse vollzogen, darunter BMW und Toyota. Mercedes ist noch dabei, doch auch bei den Stuttgartern läuft nicht alles rund und nicht nur im Motorsport. Streiks gab es im Stammwerk Sindelfingen wegen des Abzugs der C-Klasse-Produktion. Die Beschäftigten fürchteten um ihre Arbeitsplätze und das beim Daimler! Schnell sah man sich aus den oberen Vorstandsetagen gezwungen, die aufgebrachten und verunsicherten Mitarbeiter durch eine Jobgarantie zu besänftigen. Nicht so gut geht es vielen Mitarbeitern bei den Zulieferern. Können die Großen wie beispielsweise Bosch noch mit Kurzarbeit den Rückgang abfangen, stehen viele kleine Unternehmen vor dem Aus. Zumal die Prognosen für das Jahr 2010 eher verhalten ausfallen.Gut, wer den richtigen Partner an seiner Seite hat. Gerade hat sich VW 20 Prozent an Suzuki gesichert. Der japanische Hersteller ist auf die Produktion von kostengünstigen Kleinwagen spezialisiert. Mercedes erwarb indes zehn Prozent an dem amerikanischen Unternehmen Tesla, das sich mit der Entwicklung von Elektrofahrzeuge beschäftigt. Und E-Autos sind im Augenblick absolut in. Kaum ein Hersteller, der nicht die Produktion eines solchen Gefährts ankündigt. Zwar fahren auch schon einige im Testbetrieb umher, doch bis sie in größeren Stückzahlen zum Einsatz kommen, dauert noch. Bis dahin bleibt den Ingenieuren Zeit, die herkömmlichen Verbrennungsmotoren weiter zu optimieren und die Verbräuche zu senken.

Ach ja: Autos wurden 2009 auch vorgestellt und verkauft. Insgesamt gingen in diesem Jahr rund 3,8 Millionen Pkw-Neufahrzeuge an den Mann und die Frau. Gar nicht schlecht für ein Krisenjahr – man erzielte sogar das beste Ergebnis seit 1992. Doch die Prognosen für 2010 sind eher verhalten, bestenfalls vorsichtig optimistisch. Die Queen hat jedenfalls ihr schreckliches Jahr überstanden und scheint in vielen Dingen viel gelassener geworden zu sein. Zuletzt war sie über die Unzulänglichkeiten ihrer Familienmitglieder nur noch not amused.

Text: Elfriede Munsch

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