50 Jahre Tokio Motorshow

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Von spleenig bis High-Tech: Die Tokio-Motorshow, die noch bis zum 6. November geöffnet ist, bietet von allem etwas. Besonders ins Auge fällt die Nissan Studie Pivo, deren Passagierabteil sich um 360 Grad drehen lässt, damit man die Fahrrichtung ohne Umstände ändern kann. Ebenso seltsam mutet der Toyota I-Swing an. Der Einsitzer, der ein bisschen aussieht wie ein Golf-Caddy, ist bis zu 20 km/h schnell und bringt einen auch durch Fußgängerzonen. Tatsächlich sind solche Spielzeuge Technologieträger. Mit dem I-Swing erforscht Toyota unter anderem die Abstimmung von Steuermöglichkeiten. Wichtiger für den realen Fortschritt im Straßenverkehr dürften aber Studien wie Mazda Senku, Honda FCX oder Toyota Fine X sein. Allesamt nutzen Brennstoffzellen zur Fortbewegung. Der Toyota schafft mit vier Radnabenmotoren . 20 kW theoretisch 200 km/h Spitze und kann mittels Allradlenkung auf der Stelle drehen. Das Überthema Hybrid, das noch vor zwei Jahren die Messe beherrschte, spielt diesmal eine kleinere Rolle. Alle können es, das Thema ist akzeptiert und wird nach und nach technologisch umgesetzt und in den Markt gebracht. Vorreiter bleiben aber Toyota und Honda. Die Toyota-Tochter Lexus zeigt in Tokio die neue Luxuslimousine LS als Studie LF-Sh getarnt und mit Hybridantrieb. Dank V8-Benziner sollen mehr als 400 PS realisiert werden und über Allradantrieb auf die Straße kommen. Toyota ist in Japan mit weitem Vorsprung Marktführer und nützt diese Situation, um gleich 17 Modelle zu präsentieren. Die wenigsten davon kommen nach Deutschland. Ähnliches gilt in abgemilderter Form auch für die übrigen japanischen Hersteller.

Und die Deutschen? Mercedes glänzt mit der sehenswerten Studie eines Brennstoffzellenautos und vielen Serienmodellen von der B-Klasse bis zum Maybach 57S. Audi lotet mit der Shooting Break genannten TT-Studie den Publikumsgeschmack aus und BMW zeigt, wie ein eventuelles Z4 Coupé aussehen könnte. VW hat für Tokio den Eco-Racer entworfen, einen lustigen orangen Zweisitzer mit ganz untypischen Gesicht, das explizit nicht den künftigen Markenauftritt zeigen soll. Auf dem Ford-Stand glänzte die Cabrio-Version des Focus als Studie Vignale. Opel und Porsche beschränkten sich auf die schon in Frankfurt gezeigten Serienmodelle.

In Tokio fallen auch die ganz kleinen Hersteller immer wieder auf. So baute ein Zulieferer namens Pivo einen Sportwagen, der aussieht wie ein Langstrecken-Porsche-Rennwagen. Angetrieben wird das gute Stück von einem Hybriden, dessen Verbrennungsmotor stark nach dem ehemaligen Formel-1-Triebwerk von Mugen-Honda aussieht. Sehenswert ist die Sonderausstellung 50 Jahre Tokyo Motorshow. Die Veranstalter haben jeweils fünf Exponate aus jedem Jahrzehnt zusammengetragen und zeigen damit einen schönen Querschnitt durch die Entwicklung der japanischen Automobilindustrie nach dem zweiten Weltkrieg. Von Toyopet Crown aus den Fünfzigern über Klassiker wie den kleinen Honda S800 bis hin zum Prius der Neuzeit sind die wichtigsten Autos vertreten und wirkend teilweise rührend einfach im Vergleich zu den Hightech-Spielereien von heute.

(Text und Fotos: Günter Weigel)

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