Der erste BMW kam aus Berlin

Foto 1

Vor 75 Jahren produzierten die Bayerischen Motorenwerke, kurz BMW, ihr erstes Automobil. Das Auto hieß 3/15 PS und war ein Lizenzbau des britischen Austin Seven. Montiert wurde der Wagen in Berlin, wo er am 9. Juli des Jahres 1929 auch seinen Verkaufstart erlebte.

Der BMW 3/15 PS war ein Derivat des britischen Austin Seven. Das englische Einfachauto, das optisch an das Ford T Modell erinnert, wurde in Europa und den USA in Lizenz gebaut. So auch von den Dixi-Werken in Eisenach. BMW plante schon seit Beginn der zwanziger Jahre ins Autogeschäft einzusteigen und übernahm 1928 Dixi. Man wollte deren Auto möglichst schnell zu einem eigenen BMW-Modell umbauen, weil die Zeit für eine aufwändige Neukonstruktion zu knapp schien. Als wesentliches neues Merkmal erhielt der BMW 3/15 PS eine Ganzstahl-Karosserie, die man in Berlin im Karosseriewerk AMBI-BUDD produzieren ließ. Diese sollte dann in Eisenach auf das dort gebaute Fahrgestell montiert werden. Die Risiken des Transports der lackierten Karosse waren zu groß, man mietete deshalb auf dem Gelände von AMBI-BUDD eine Produktionshalle an. Dorthin verbrachte man dann die fertigen Fahrgestelle aus Eisenach und montierte das Auto in Berlin. Am 22. März rollte der erste 3/15 PS dort vom Band. Bis Sommer 1930 wurden rund 1.200 BMWs in Berlin produziert, bevor die gesamte Produktion doch nach Eisenach verlagert wurde.

Die größte Zielgruppe für den kleinen Wagen waren übrigens Frauen. BMW bewarb den 3/15 als Auto für die Dame und innen größer als außen, was bei den emanzipierten Damen der Berliner Gesellschaft wohl gut ankam. Der erste BMW kostete damals rund 2.500 Reichsmark. Bei einem durchschnittlichen Facharbeiter-Lohn von 200 RM musste ein BMW-Werker mehr als ein Jahr arbeiten, um sich ein Auto leisten zu können. Zum Vergleich: Ein Ford-Arbeiter in den USA brauchte nur zwei Monate, um sein Auto bezahlen zu können.

Als BMW zu erkennen war der 3/15 mit seinem 15 PS 750 ccm Motor nur am Firmenlogo, dem Propeller. Die BMW-typische Niere erhielt erst das Modell 303 von 1930. Mit 30 PS aus einem 1,2-Liter-Reihensechszylinder ist der 303 so etwas wie der Ur-Ahn der sportlichen Gene von BMW. Das bekannteste Vorkriegs-Auto von BMW ist zweifellos der 328. Der Sportwagen mit Zweiliter Reihensechszylinder war damals eines der erfolgreichsten Rennautos der kleineren Klasse unterhalb der Grand Prix-Rennwagen und konnte so berühmte Rennen wie die italienische Mille Miglia gewinnen. BMW-Autos wurden in Eisenach bis in den Zweiten Weltkrieg hinein produziert. Nach Kriegsende fiel as Werk an die Russen, die dort bis Anfang der Fünfziger die Weiterentwicklung eines Mittelklasseautos als BMW 3/21 bauten und auch nach Westdeutschland verkauften. Streitigkeiten mit dem BMW-Werk und BMW-Händlern sorgten zur Umbenennung in EMW, für Eisenacher Motorenwerke. Im heutigen Stammwerk München wurde 1952 die Auto-Produktion mit der Vorstellung des Modells 501 aufgenommen. Man spezialisierte sich auf große und repräsentative Autos, was sich als teurer Fehlgriff heraus stellte. Modelle wie die Limousine 502 oder die Roadster 503 und 507 hatten zwar einen sehr fortschrittlichen V8-Leichtmetallmotor, waren aber viel zu teuer in der Produktion um rentabel zu sein. Nur der, wie schon der 3/15 PS, in Lizenz gefertigte Isetta brachte Mitte der Fünfziger Jahre Geld in die Kasse. Der Einstieg der Familie Quandt als Großaktionär verhinderte den Verkauf des Unternehmens an Daimler Benz. Die Rettung von BMW kam in den Sechzigern.

Der kleine 700 verdiente genug Geld um die so genannte Neue Klasse, das Mittelklassemodell 1500 zu entwickeln. In den Sechzigern war dieser BMW mit seinem modernen Fahrwerk der Prototyp der sportlichen Limousine. Er legte den Grundstein für die 02er Reihe aus der in den Siebzigern die heutige 3er Reihe entstand. Parallel dazu gab es große Limousinen wie den 2500 und luxuriöse und sportliche Coupés.
Den Kreis zum Ur-BMW 3/15 PS schließt übrigens heute der Mini. Schließlich ist der Kleinwagen der direkte Nachfolger des britischen Minis, der wiederum zu Beginn seiner Karriere als Austin Seven verkauft wurde, genau wie die Vorlage des BMW 3/15 vor 75 Jahren.

(Text: Günter Weigel)

Scroll to Top