Suzuki Jimny: Ein Gelände-Artist wird 50

Die Start-Serie unter dem Namenskürzel "LJ" (Light Jeep") sollte eigentlich "Jipsy" (andere Schreibweise: Jeepsy) heißen. Als das in Amerika bekannt wurde, standen kurze Zeit später die Anwälte des US-Amerikanischen Autoherstellers Chrysler Corporation in Japan auf der Matte, um Einspruch gegen den Namen Jipsy einzulegen und Strafen bei Zuwiderhandlung anzukündigen. Wegen - der Namensnähe zum Jeep. So kam es zum Kürzel "LJ". Doch der eigentliche Vorgänger des späteren weltweiten Erfolgsmodells hieß "HOPE ON 360", der 1967 auf die Welt kam, davon wurden aber nur 15 Exemplare gebaut. Die Gründe: mangelnde technische Reife und somit Erfolglosigkeit. Vielleicht war aber zudem die Zeit noch nicht reif für ein Fahrzeug mit diesem Konzept.

In der Geburtsurkunde des kleinen Geländehüpfers LJ steht folglich das Jahr 1970. Bereits in seinen Jugendjahren musste er sich mit ausgewachsenen und echten Geländegängern messen und sich Vergleiche gefallen lassen, obwohl diese viel teurer, größer und stärker waren: Nissan Patrol und Toyota Land Cruiser. Das anfänglich installierte Motörchen stammte aus der Zweitakt-Motorrad-Generation von Suzuki, wies 360 Kubikzentimeter auf und war gerade gut genug für 70 km/h Höchstgeschwindigkeit. Darum ging es aber nicht, denn der LJ war als Klettertier konzipiert: Allrad-Antrieb mit Untersetzung und Leichtbau. Das Reserverad lag auf der Rückbank und dezimierte die Fuhre von vier auf drei Mitfahrer, ohne Chance, Gepäck mitzunehmen. 1976 kam der “LJ 50” als Weiterentwicklung: Der Hubraum wuchs von 0,36 auf 0,539 Liter (noch immer ein Zweitakter-Motorradmotor) und das Ersatzrad wanderte an die Hecktür, als V max. wurden 100 km/h angegeben. Ein Quantensprung, der das Mitschwimmen im Alltagsverkehr erlaubte. Der weltweite Verkauf boomte. Schon 1977 folgte der LJ 80 mit dem ersten Vierzylinder-Triebwerk mit 0,8 Litern Hubraum (daher die Typenbezeichnung).

Der Nachfolger der LJ-Familie wurde dann komplett neu entwickelt, hieß fortan SJ 410 und wies einen 1-Liter-Motor auf mit 45 PS (33 kW). Der bald folgende SJ 413 hatte bereits einen 1,3-Liter Benziner. Hauptargument für den größeren Motor war damals, dass der SJ nicht nur ein Top-Geländegänger sein sollte, sondern auch auf Überlandstraßen und Autobahnen dank der neuen Schraubenfedern an den Vorderläufen mehr Komfort aufweisen sollte, während die Hinterhände weiterhin an Blattfedern andockten und die Geländegängigkeit unterstützten. 1998 kam die 3. Generation (nach LJ und SJ) zur Welt und wurde “Jimny” getauft. Er war rundlicher und moderner, angetrieben mittels eines 16-Ventilers mit 1,3 Litern Hubraum, der für 86 PS (63 kW) sorgte. Der Wechsel von 2 WD zu 4 WD ging einfach und zügig, die Sperre der Vorderräder arbeitete mechanisch-automatisch. Ansonsten kaum Elektronik. So wurde er gut 20 Jahre lang gebaut, hatte sich weltweit eine Fan-Gemeinde aus Offroad-Fans, Bauingenieuren, Waldarbeitern und Förstern geschaffen. Bis der Jimny in ganz neuem Kleid den Markt betrat.

Die eher rundliche Form wich “klarer Kante” und der nun aktuelle Jimny weist, wohl nicht ganz zufällig, Designelemente der G-Klasse-Modelle von Mercedes auf und ebenso die Anlehnung im Outfit an die alte Defender-Serie von Land Rover. Der Erfolg setzte und setzt sich noch immer fort, wobei inzwischen lange Lieferzeiten in Kauf genommen werden müssen. Die Erfolgsstory des LJ, des Samurai und des Jimny kann locker weitergeschrieben werden…

Fotos: Suzuki, Suzuki ZA

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