Das Duell der beiden „Super-Seb’s“: Was bringt die Rallye-WM 2019?

Gesucht wird der Nachfolger des Serien-Nachfolgers vom Serien-Nachfolger. Oder einfacher ausgedrückt: In Monte Carlo beginnt am Donnerstag dieser Woche bei der viel zitierten „Mutter aller Rallyes“ die neue Saison in der Rallye-Weltmeisterschaft. Und die verspricht, eine der spannendsten der vergangenen Jahre zu werden.  Nicht nur, weil Titelträger Sebastien Ogier „den Stall gewechselt“ hat, vom Ford M-Sport Team hinüber zur französischen Citroen-Konkurrenz. Sondern auch, weil sein langjähriger, mehr respektierter als geliebter Ziehvater Sébastien Loeb wieder ins Volant greift. Loeb wird sein neues Fahrzeug, den Hyundai  i20 Coupé WRC, allerdings erst beim Shakedown zur Monte richtig kennenlernen, da er zuvor noch die „Dakar“ für ein privates französisches Team bestritten hatte.

Der Wechsel des sechsfachen Rallye-Weltmeisters Ogier war wie der erste gefallene Stein aus einem Domino-Puzzle, der eine ganze Kette von Umdisponierungen im WM-Karussell auslöste. Nachdem der Belgier Thierry Neuville den Sprung vom ewigen Talent zum Champion immer noch nicht vollzogen hat, greift Hyundai Motorsport jetzt mit beiden Händen voll in die Verpflichtungskiste. Der Elsässer wird, als eingespieltes Team mit seinem Co-Piloten Daniel Elena, wieder eingreifen und an ausgesuchten Läufen der 14 Wettbewerbe umfassenden Saison teilnehmen.

Ex-Citroen-Pilot Kris Meeke, dort wegen einer Serie teils selbst verschuldeter Unfälle gefeuert, erhält überraschend doch noch eine Chance. Der finnische Ex-Weltmeister Tommi Mäkinen gibt ihm als Teamchef von Toyota einen Platz im Cockpit eines Yaris WRC. Dafür musste Talent Esapekka Lappi weichen und wurde bei Citroen fündig. Vier Automobil-Hersteller gehen mit Werksfahrzeugen an den Start: Toyota Gazoo Racing WRT (Yaris WRC), Hyundai Shell Mobis WRT (i20 Coupé WRC), M-Sport Ford WRT (Fiesta WRC), und Citroen Total WRT (C3 WRC).

Doch nicht nur die Piloten, auch die Anzahl und die Austragungsorte der Läufe standen und stehen im Blickpunkt. Die Rallye-Weltmeisterschaft 2019, soviel steht fest, wird in ihrer Gesamtstruktur erheblich umgebaut. So gastiert die Topliga in diesem Jahr zum ersten Mal in Chile, bisher eher Gastgeber für die Teilnehmer der Marathon-Rallye Dakar.  Und das kommende Jahr 2020 wirft seine Schatten bereits voraus: Dann steht die Rückkehr des PS-Trosses nach Japan und Kenia auf dem Zettel der Hersteller. Auf Druck hauptsächlich von Toyota. Was aber auch gleichzeitig bedeutet: „Es werden zwangsläufig zwei europäische Läufe wegfallen.“

Die älteste Rallye der Welt an der französischen Mittelmeer-Küste musste sich bei ihrer 87. Austragung erneut an die strikten Vorgaben des Welt-Motorsportverbandes anpassen. So wurde die Streckenführung gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent verändert.  Statt 17 werden nur 16 Wertungsprüfungen auf 322,8 Kilometer (2018 waren es noch 395,17)  gefahren.  Titelträger Ogier strebt mit seinem neuen Arbeitgeber seinen siebten Gesamtsieger bei der Monte in Folge an.

Die Optik der Fahrzeuge hat sich gegenüber dem Vorjahr  ebenfalls ziemlich verändert.  Imposantes Flügelwerk, wuchtige Kotflügelverbreiterungen, mächtige Diffusor-Elemente im Heckbereich und deutlich mehr Schub bei 25 Kilogramm weniger Gewicht: Das hat schon einen Hauch von Gruppe-B-Fahrzeuge. Die einstigen Monster wie Audi Sport Quattro S1, MG Metro 6R4 oder Peugeot 205 T16 wurden 1986 nach einer Reihe schwerwiegender Unfälle verboten.

WRC-Kalender 2019

23.-27.01. 

Monte Carlo

14.-17.02.

Schweden

07.-10.03.

Mexiko

28.-31.03.

Korsika/Frankreich

25.-28.04.

Argentinien

09.-12.05.

Chile

31.-02.06.

Portugal

13.-16.06. 

Sardinien/Italien

01.-04.08.

Finnland

22.-25.08.

Deutschland*

12.-15.09.

Türkei

03.-06.10. 

Wales GB*

24.-27.10. 

Katalonien/Spanien*

14.-17.11. 

Australien*