70 Jahre Porsche 356: Die goldene Zeit vor dem Elfer

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Ein Sportwagen in einer Zeit des Mangels, als die Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs noch allgegenwärtig waren – wer sollte den kaufen? Es waren Schweizer Unternehmer, die an die Marktchancen des stromlinienförmigen Roadsters glaubten – schließlich ging es um einen Porsche.

Der Urvater aller Serien-Porsche, der erste Roadster vom Typ 356, hat eine wechselvolle Geschichte erlebt: Anfangs wurde die Sport-Ikone in Österreich gebaut, in Stuttgart ging sie in Großserie, nachdem Schweizer Starthilfe geleistet hatten. Vor 70 Jahren platzierten die Schweizer Rupprecht von Senger und Bernhard Blank einen Auftrag über 50 Porsche 356, die in der vom Krieg verschonten Schweiz verkauft werden sollten. Mit auf 26 kW/35 PS frisiertem VW-Motor feierte der Porsche Nr. 1 seine Pressevorstellung am 4. Juli 1948 vor dem Grand Prix der Schweiz in Bern.

Wie Ferry Porsche einmal erklärte, wollte er mit dem 356 – der Typencode steht für die Entwicklungsnummer – einen Sportwagen nach seinem persönlichen Geschmack bauen. Sein Vater Ferdinand Porsche hatte mit dem „Berlin-Rom-Sportwagen“ 1939 die Grundlage für die Idee eines Sportwagens mit dem Namen Porsche gelegt. Für das Design zeichnete Erwin Komenda verantwortlich. Bescheiden blieben die Porsche-Stückzahlen in den ersten Jahren vor allem wegen der beengten Räumlichkeiten. Den Kärntner Standort Gmünd hatte Porsche 1944 gewählt, um den direkten Kriegsauswirkungen zu entgehen. Nach fünf Jahren in Österreich und 53 gebauten Porsche 356 ging es 1949 zurück nach Stuttgart-Zuffenhausen, wo allerdings vorläufig noch amerikanische Streitkräfte das Porsche-Stammwerk besetzten. Eine Ausweichlösung bot eine Kooperation mit den Stuttgarter Karosseriewerken Reutter, wo 1950 die Produktion des ersten Serienmodells anlief, fast 78.000 Porsche 356 wurden gebaut.

Als Herz fungierte weiterhin ein modifizierter Volkswagen-Vierzylinder, aber statt des ursprünglichen Fahrzeuglayouts mit Rohrrahmen, Aluminium-Karosserie und Mittelmotor waren nun Heckmotor und Stahlblechrahmen Charakteristika des Stuttgarter Sportwagens. Tatsächlich war es auch die enge konstruktive Verwandtschaft mit dem VW Käfer, die dem von Beginn als Coupé und Cabriolet erhältlichen Porsche 356 außergewöhnliche Alltagstauglichkeit verlieh und seine Bestsellerkarriere beschleunigte.

Ein 3,87 Meter kurzer Sportwagen vom Konstrukteur des VW Käfers, das ließen sich deutsche Enthusiasten 1950 stolze 10.200 Mark kosten. Vielleicht weil die leichtgewichtigen Coupés und Cabrios trotz ihrer gerade einmal 29 kW/40 PS freigebenden 1,1-Liter-Vierzylinder die Möglichkeit gaben, sonntags auf die Rennstrecke und montags ins Büro zu fahren. Eine Freizeitbeschäftigung, die bis Anfang der 1960er Jahre nicht nur in den USA populär war. Im Herbst 1950 kam es zur Kooperation zwischen Ferdinand Porsche und dem nordamerikanischen Sportwagenimporteur Maximilian E. Hoffman, fortan waren die USA wichtigster Exportmarkt.

Kaum ein Rennklassiker, in dem die Porsche 356 nicht erfolgreich waren. Die Motorsport-Dominanz begann mit einem Klassensieg in Le Mans 1951, ging über Langstreckenrallyes wie Lüttich-Rom-Lüttich, die Carrera Panamericana und gipfelte in zahlreichen Weltrekordfahrten. Im Jahr 1952 konnte der Hersteller auf 75 Siege verweisen, zwei Jahre später betrug die Ausbeute schon 420 Erfolge. Porsche war nun in der Spitze des Sports angekommen und feierte dies mit einer kontinuierlichen Erweiterung und Pflege des Modellportfolios. Bis heute.

Text: Wolfram Nickel/SP-X
Foto: Porsche