IAA: Nachhaltigkeit? Welche Nachhaltigkeit?

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Es war zu befürchten, als der diesjährige Slogan der weltgrößten Automobilmesse vom VDA (Verband der Automobil Industrie) publiziert wurde (Die automobilste Show der Welt): the show must go on mit PS-, Prahl- und Protztum der Extraklasse. Wir reden hier nicht von den gut 600 PS eines Ferrari, die geringe Stückzahl lässt den Verbrauch verschmerzen. Die Rede ist vom automobilen Zentrum Europas mit den selbst ernannten Premium- Marken deutscher Hersteller, bei denen VW aber nur eine relativ geringe Schuld trägt, da dort auch Vernunft-betonte Kleinwagen in großer Stückzahl gebaut werden. Vor zwei Jahren hatten die Hersteller mit alternativen Antrieben einen starken Auftritt: die E-Mobilität zum Beispiel erhielt eine eigene Messehalle. In diesem Jahr hat die Unvernunft wieder (un-) fröhliche Urständ' gefeiert und wir mittendrin. E- oder Hybridantriebe werden schmählich missbraucht, um jeweilige Kompetenz bei den Großen zu demonstrieren, ein grünes Mäntelchen der Barmherzigkeit wird über die diamantenen Stände gebreitet. Nein, so nicht, bitte.

Nachdem sogar Siemens seine E- Zapfsäulen wieder abbaut und abwrackt, darf man das als beunruhigendes Signal zusätzlich verstehen. Autogas hat sich recht ordentlich etabliert, Erdgas dümpelt weiter vor sich hin, die Brennstoffzelle (FuelCell) fährt in Testflotten seit einem Dutzend Jahren quer durch die Welt, im Alltag hat sie sich nicht durchgesetzt. Elektrische Antriebe in den Fahrzeugen sind schwer, benötigen Platz und sind aufgrund der komplizierten Entwicklung teuer, zu teuer. Der Range Extender bei General Motors (Opel Ampera und Chevrolet Volt) als eine der nachvollziehbarsten Lösungen, wird nicht richtig angenommen, vielleicht bald, wenn die Preise dafür sinken.Die Importeure zeigen sich da cleverer und innovativer, indem sie den Hybridantrieb als Benzin- Verbrennungsmotor plus Elektroantrieb zügig weiterentwickeln. Toyota führt weltweit mit Millionen an Fahrzeugen dieser Gattung. Nun kommt erneut eine Lösung aus dem Land der aufgehenden Sonne: Fuji Heavy Industries mit seiner automobilen Tochter SUBARU hat ein Concept- Auto auf der Messe, das die Kombination aus Diesel plus Akku offeriert. Im Erfolgsmodell, dem Forester, wird der kräftige Diesel- Boxer mit gleich 3 Elektromotoren kombiniert: neuer Familienname: Viziv. Der Diesel- Hybrid besitzt einen E-Motor, der vor allem der Regeneration (Aufladung) der Akkus dient. Zwei weitere E- Motoren sind beiden Hinterrädern zugeordnet und treiben diese an. Das Ganze ist dem bei Subaru üblichen Permanent- Allradantrieb angegliedert. Damit entfällt der stets störende Mitteltunnel, da keine Kardanwellen mehr nach hinten benötigt werden und die Antriebsaggregate an den Hinterläufen ganz an den Ecken des Fahrzeugs installiert sind. Raumgewinn nach oben für die Passagiere und nach unten für die in der Fahrzeugmitte verbauten Unterflur-Batterien. Somit ergeben Boxer-Bau-Prinzip und fehlende hintere Kardanwellen auch einen insgesamt angenehmen tiefen Schwerpunkt des neuen Konzepts. In wieweit die im Muster- Fahrzeug installierten elektronischen und digitalen Multifunktions- und Kommunikations- Systeme schlussendlich bei der Stange bleiben, wird das Management noch vor der Einführung des Viziv entscheiden.

Eines aber darf als gesichert gelten: dass der Viziv für Subaru neue Türen und Tore für die nahe Zukunft öffnet. Und den Mitbewerbern kräftige Denkanstöße vermittelt. Und das ist bekanntlich schon eine ganze Menge.

Text und Fotos:Frank Nüssel/CineMot

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