Buchtipp der Woche: Thomas Wieczorek – Abgewirtschaftet

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Es kriselt – nicht nur in Deutschland! Dort kriselt derzeit besonders heftig, jedenfalls in den Medien, Wetten, dass …? Mit solchen Petitessen hält sich Thomas Wieczorek nicht auf. Der Journalist, Wirtschafts- und promovierter Politikwissenschaftler, ist bekannt für drastische Bücher, in denen er bitterböse Diagnosen über den Zustand Deutschlands formuliert. Sein neues Buch ist keine Ausnahme.

Ob es um Korruptionsskandale geht, unverhältnismäßige Rechtssprechung, fragwürdige politische Haltungen – seine Kernaussage ist nicht neu, aber vermutlich noch nie so formuliert und belegt worden: Politische Entscheidungen werden auf eine Legislaturperiode hin getroffen, nicht langfristig als Wählerauftrag verstanden. Die Solidargemeinschaft, Kerngedanke des Grundgesetzes, ist inzwischen weit mehr Phantom als Realität.

Für seine zugespitzten Beschreibungen, denen man den geübten Satiriker anmerkt, ist er schon mal – negativ konnotiert – als Linker geschmäht worden. Nun, dass seine Position im ganz klassischen Sinne links ist, merkt man nach spätestens drei Zeilen, und das ist ja auch nichts Schlimmes. Was ihn und seine Bücher zu einer Rarität in der Medienlandschaft macht: Er bezieht klare Positionen, die man nicht teilen muss, aber durchdenken sollte. Er benennt Probleme im Kern, statt in eine Art indifferentes Wehklagen zu verfallen. Er benennt auch die Quellen, auf die er sich bezieht, und animiert damit die Leserschaft zur weiteren Beschäftigung mit seinen Themen. Das ist allemal sinnvoller und interessanter als jede der (viel zu vielen) Talkshows, die in der Regel ausgehen wie das Hornberger Schießen: Die Welt ist nicht mehr zu retten, aber wenigstens ist jede(r) zu Wort gekommen und wir haben mal drüber gesprochen.

Thomas Wieczorek: Abgewirtschaftet. Warum unser Land verkommt und wer daran verdient. Knaur Taschenbuch Verlag; 9,99 Euro.

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