Buchtipp der Woche

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Michael Tsokos, Sebastian Fitzek: Abgeschnitten. Droemer Verlag; 19,99 Euro.

Gehören Sie auch zu den Fans von Prof. Boerne und Frank Thiel? Schalten Festnetztelefon, Handy und PC aus, wenn der blasierte Gerichtsmediziner und der bodenständige Kommissar sich wieder einmal amüsante Duelle in und um Münster liefern? Das hat ja immer etwas Skurril-Versöhnliches, auch wenn die zuständige Staatsanwältin Klemm den beiden dazwischenfunkt und Assistentin Alberich ihrem arroganten Vorgesetzten stoische Ruhe entegegensetzt. Tatort funktioniert auch mit hohem komödiantischem Anteil.

Ein reales Vorbild für Boerne, pardon, Professor Dr. Boerne, ist Michael Tsokos, mit Boerne-Darsteller Jan Josef Liefers inzwischen gut befreundet. Aber wenn Tsokos (hier gemeinsam mit Sebastian Fitzek), Rechtsmediziner an der Berliner Charité, zur Feder greift, ist Schluss mit Klamauk und Komödie.

Fitzeks alter ego Paul Herzfeld findet in einer Leiche die Telefonnummer seiner Tochter. Hannah wurde verschleppt – und für Herzfeld beginnt eine perverse Schnitzeljagd. Denn der psychopathische Entführer hat eine weitere Leiche auf Helgoland mit Hinweisen präpariert. Herzfeld hat jedoch keine Chance, an die Informationen zu kommen. Die Hochseeinsel ist durch einen Orkan vom Festland abgeschnitten, die Bevölkerung bereits evakuiert. Unter den wenigen Menschen, die geblieben sind, ist die Comiczeichnerin Linda, die den Toten am Strand gefunden hat. Verzweifelt versucht Herzfeld sie zu überreden, die Obduktion nach seinen telefonischen Anweisungen durchzuführen. Aber natürlich sind die Erfahrungen einer Comiczeichnerin im Umgang mit einem Skalpell bescheiden, sprich: nicht vorhanden.

Heftiger Lesestoff, der die Nerven wahrhaftig nicht schont – und nach dessen Lektüre man dann doch sagen kann: Der Autor ist als Rechtsmediziner echt. Aber zum Glück ist die Handlung Fiktion. Und wird es hoffentlich bleiben.

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