Buchtipp der Woche

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Mark Twain: Meine geheime Autobiographie. Aufbau Verlag; 59,90 Euro.

Was ist denn daran geheim? Über Mark Twain weiß man doch so viel. Glaubt man wenigstens. Richtiger Name: Samuel Langhorne Clemens (beliebte Kreuzworträtselfrage). Berühmteste Figuren: Tom Sawyer und Huckleberry Finn (deren Abenteuer wollten Generationen von Jungen schon selbst erleben).

Tatsächlich aber hat Twain, der große Spötter und genaue Beobachter seiner Zeit(genossen), dafür gesorgt, dass das echte Wissen über ihn lange begrenzt blieb. Erst 100 Jahre nach seinem Tod, so hatte der 1910 gestorbene Autor zu Lebzeiten verfügt, durfte seine Autobiographie erscheinen. Sie ist so umfangreich, dass zwei Bände daraus wurden – der auf den ersten Blick hohe Preis relativiert sich wegen des Umfangs und der handwerklich edlen Aufmachung.

Das verspricht spannende Lektüre, und allzu viel sei auch nicht verraten. Aber wenn er über Politik, Macht, Militär und die Gesellschaft räsoniert, sich zwischendrin bei allem Spot melancholische Töne genehmigt, dann glaubt man schon manchmal, eine Bestandsaufnahme heutiger Verhältnisse zu lesen. Nicht nur der amerikanischen. Aus dem Grab heraus wendet er sich an seine Leserschaft, so schreibt Twain ausdrücklich – er schont sie schon im Vorwort nicht. Man darf sich da schon mal die Frage stellen, wie viel Schmerzensgeld fließen könnte, würde Twain heute noch leben und Opfer juristischer Klagen werden. Man wünscht sich mehr von so scharfen, hemmungslos spottenden Beobachtungen, bei denen man lachen muss, obwohl das Beschriebene oft genug zum Heulen ist.

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