Rallye Dakar 2013: Die “Saurier” sind dabei

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Hiro, Kamaz, MAN, de Roy, Tatra – das sind die bekanntesten Familiennamen der Saurier unter den Renn-Trucks bei der Dakar. Dazu gibt es die reinen Service- Trucks für die Teilnehmer der Automobil- und Motorradwertung, die mehr oder minder von Camp zu Camp auf direktem Weg fahren. Die Race-Trucks, die richtige Startnummern auf dem Blech- und Karbonkleid tragen, technisch aufgerüstet wie ihre kleineren Geschwister, für die sie Ersatzteile transportieren und zugleich in der Lkw-Wertung um Sieg und Platz kämpfen. Wir haben da eben eine Doppelfunktion, die den harten Job nicht gerade leichter macht, da wir stets ebenso am absoluten Limit entlang kacheln müssen wie unsere Patenkinder, die in der Automobilwertung unterwegs sind, so Mathias Behringer, Chefpilot des Race-Trucks von Matthias Kahle /Dr. Schünemann, die auf dem einzigen SAM 30D-CC-Prototypen starten. Beide Teams sind versierte Rallye-Teilnehmer, die über ebenso viel Verwegenheit und Mut verfügen müssen wie über volle Beherrschung der Fahrzeuge und beste Orientierungskenntnisse.

Neben dem deutschen Mitbewerber X-Raid, das ebenfalls überwiegend MAN-Trucks für Service und Fast Assistance einsetzt, basiert der einzige Racetruck des reinen Privatteams HS auf MAN-KAT-SX-Basis. Entwickelt und gebaut hat diesen Boliden Dieter Maurer aus dem schwäbischen Türkheim. Die Eckdaten des Allradlers sind beeindruckend: Aus 18,3 Litern Hubraum entspringen 780 PS (Formel-1-Fenster), die mit fast unglaublichen 3.500 Newtonmetern Drehmoment auf das 18-gängige Getriebe los gelassen werden. Die 9 Tonnen Eigengewicht generieren dadurch eine Form der Dynamik, die man einem Lkw dieser Größe nie zutrauen würde, schließlich liegen deren Höchstgeschwindigkeiten zwischen den schnellsten Motorrädern und den schnellsten Automobilen bei den Prototypen. Das Tier muss trotz oder gerade wegen seiner HighTech ständig gebändigt werden, reagiert sensibel und doch sicher auf kleinste Befehle, schließlich sind wir hier im Rennen und nicht auf einem Parkplatz, so Chefpilot Behringer, der mit Hugo Kupper und Michael Karg zwei ebenso versierte Passagiere als auch Copiloten an Bord hat. Man darf hier weder Tod noch Teufel fürchten, muss ständig mental und körperlich im Top-Zustand sein, es ist ganz schlicht ein Knochenjob über die ganzen 15 Tage, stimmen die beiden Beifahrer unisono ein. Teamchef und Navigator von Mathias Kahle, Dr. Schünemann, hat auch für seinen Race-Truck nur das Beste aus den Regalen der führenden Zubehörhersteller auswählen lassen: Der halbe Meter Bodenfreiheit des Trucks wird überwiegend durch 30 Zentimeter lange Spiralfedern und Renndämpfer von Reiger erwirtschaftet. Und die Reifendruck-Regelanlage (nur für Prototypen erlaubt!) wird für blitzschnelle Anpassung an die oftmals wechselnden Untergrundbedingungen sorgen, so dass die Tiefsand-Dünen in Peru und Chile einen Großteil ihres Schreckens verlieren dürften. Der Fight innerhalb der Race-Trucks um Platz und Sieg ist genauso verbissen wie unter den Automobilen.

Text: Frank Nüssel /CineMot
Bilder: Teams

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