Rallye WM: Viel Hektik und ein Personalkarussell

Beitragsbild
Foto 1
Foto 2
Foto 3

Ende einer WM-Saison, das Ende der Ära Loeb, ein spektakulärer Werks-Rückzug und ein Personalkarussell, das auf Hochtouren läuft: Am Sonntag endete die Rallye-WM-Saison 2012 mit einem Sieg des Franzosen Sébastien Loeb bei der Rallye Spanien. Die Schlagzeilen derzeit aber schreibt Volkswagen, das im nächsten Jahr mit bärenstarker Formation mit dem neuen Polo WRC erstmals über die gesamte Saison angreifen wird.Nach neun WM-Titeln in Folge ging Triumphator Sébastien Loeb am Wochenende zum letzten Mal als permanenter Starter bei einem WRC-Lauf an den Start. In Katalonien holte sich „Super-Seb“, der dort seit 2005 ungeschlagen ist, zum Abschluss noch einmal einen WM-Erfolg mit dem Citroën-Team. Im kommenden Jahr geht der Franzose nur noch bei ausgewählten Rallyes an den Start, bevor er zusammen mit Citroën mutmaßlich in Richtung Tourenwagen-Weltmeisterschaft abwandern wird.

„Zweifelsohne ist an diesem Wochenende ein Kapitel beendet worden, sagte Loeb nach der Zieldurchfahrt am Sonntagnachmittag. „Ich werde zwar in Monte Carlo sein, wenn dort 2013 die Meisterschaft beginnt, aber es wird nicht mehr das Gleiche sein. Aber ich bereue nichts und bin nicht traurig, denn mein Ausstieg aus der Rallye-WM ist nicht das Ende meiner Rennfahrer-Karriere. Zusammen mit Citroën werde ich mich neuen Herausforderungen stellen.“

Trotz des Abschieds von Loeb: Für die ganz großen Schlagzeilen sorgt in diesen Tagen Volkswagen, das 2013 mit dem neuen VW Polo WRC komplett in das WM-Geschehen einsteigen wird. Nachdem die Wolfsburger im vergangenen Jahr schon Loebs langjährigen „Kronprinzen“ Sébastien Ogier verpflichtet hatten, sicherten sie sich nun auch die Dienste des Finnen Jari-Matti Latvala als zweiten Starter für das kommende Jahr. Volkswagen wird damit das stärkte Fahrer-Duo in der Rallye-WM 2013 an den Start schicken.

Der personelle Coup mit Latvala, der neben Loeb und Vize-Weltmeister Hirvonen (Finnland/Citroën) derzeit als einer der weltweit besten Rallye-Piloten gilt, wurde erst möglich durch den Rückzug von Ford aus der Rallye-WM. Die Ford Motor Company steckt derzeit in einer tiefgreifenden wirtschaftlichen Krise, wird neben der bereits angekündigten Werksschließung im belgischen Genk wohl noch weitere Produktionsstätten dicht machen. Eine Teilnahme an der kostenintensiven Rallye-Weltmeisterschaft war da nicht mehr zu vermitteln.Da auch Seriensieger Citroën sich 2013 wohl in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft engagieren wird, kann es sein, dass die eigentlich als Herausforderer gedachten Wolfsburger in der WM-Saison 2013 das einzige noch vorhandene reine Werksteam sein werden. Denn auch BMW wird die Werksunterstützung des Mini-Projektes beenden und inwieweit Citroën noch als eventueller Ausrüster von Privatteams auftreten wird: das alles ist derzeit zumindest offiziell nicht geklärt. Größter Gegner der Werks-Polo WRC könnten die Boliden des privaten M-Teams des Briten Malcolm Wilson sein, doch der muss bis zum Start der WM-Saison 2013 in Monte Carlo knapp zweieinhalb Monaten noch jede Menge Klinken putzen müssen, um Sponsoren zu finden.

Text: Jürgen C. Braun
Fotos: Citroën, Volkswagen Motorsport

Nach oben scrollen