Hybrid: Concerto grosso für den „Zwitter“

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Die Diskussion wird noch lange nicht beendet sein: Was kommt nach Benzin und Diesel, hat der Verbrennungsmotor klassischen Zuschnitts überhaupt noch eine Chance in der Zukunft? Wobei wir uns erlauben, den Begriff Zukunft auf 10-15 Jahre zu limitieren. Doch näher als die Zukunft ist dem Menschen von heute die Gegenwart. Folglich gilt es, an alternativen Antriebskonzepten zu arbeiten, die Sinn machen, Ressourcen schonen und bezahlbar sind.Die Kombination aus Verbrennungsmotor und Elektroantrieb wird landläufig als Hybrid-Antrieb bezeichnet, da schlagen also 2 Herzen manchmal separat, manchmal gleichzeitig, um das Automobil nach vorne zu bringen. Diese Lösung war bereits vor knapp 100 Jahren erfunden worden, dann aber lange in der Versenkung verschwunden. Experten äußern sich zum Thema wie lange reicht das Erdöl noch in Richtung knapp 15 Jahre.

Es waren mal wieder die Ingenieure aus dem Land der aufgehenden Sonne, die den Mut hatten, das genannte Konzept neu anzugehen, weiter zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Toyota darf da getrost als Schrittmacher bezeichnet werden. So hatten sie bereits 1995 mit dem Modell Prius den ersten Hybriden im Markt. Heute ist es die 3. Generation und dieser Ur-Hybrid der Moderne hat sich bereits mehr als 3 Millionen mal verkauft. Durchaus eine Erfolgsstory also. Und die Mannen aus Japan blieben am Ball: Was für den Prius funktioniert, muss auch in den übrigen Modellen von Toyota und der Nobelschwester Lexus klaglos arbeiten können. So kann der japanische Hersteller gegen Ende des Jahres 2012 mit berechtigtem Stolz verkünden: Vom kleinsten Cityflitzer bis zur Luxuslimousine der Toppklasse kann der Kunde heute jedes Modell in Hybrid-Version kaufen. Wer solche Erfolge aufweist, gerät in Gefahr, sich damit zufrieden zu geben, Kopf und Hände ruhen zu lassen. Aber es geht weiter: Der Plug-in-Hybrid ist das jüngste Kind der automobilen Wertschöpfung: Einfach an die Seriensteckdose und aufladen. Am besten via Solarstrom, der vom Garagendach kommt. Wird schon angeboten.Die Marktpartner (= Konkurrenz) marschieren da offensichtlich in eine andere Richtung: Sie nutzen den zusätzlichen Elektroantrieb überwiegend, um mehr Dampf beim Beschleunigen zu erzielen. Während die Toyota-Kreation derzeit Wegstrecken im rein elektrischen Modus zwischen 40 und etwa 100 Kilometer bietet, geht der Elektromodus solo bei den meisten gar nicht zum Fahren, versagt nach wenigen hundert Metern die Kraft. Das tut weder der Umwelt noch der Ressourcenschonung gut. Diese Teil-Hybriden generieren demzufolge nicht das Sparpotenzial, das der Voll-Hybrid vermittelt. Warum hierbei ausgerechnet die Erfinder des Automobils aus der Mitte Europas derart hinten anstehen, ist nur schwer zu vermitteln. So kommt der nächste Mitbewerber ebenfalls aus Japan. Während Toyota in Deutschland unter den Hybridfahrzeugen einen Marktanteil von 84,2 % innehat, muss sich der Zweitplazierte (Honda) mit einem Anteil von knapp über 3 % begnügen. 10 Hersteller teilen sich die restlichen Marktanteile.

Und es geht noch weiter nach dem Motto wer rastet, der rostet. Nächstes Ziel: Ein Cityflitzer mit nur 2 Zylindern (Verbrennungsmotor) mit Plug-in- Hybrid bei einem Eigengewicht von nur noch 786 Kilo. Das Verbrauchsziel: knapp unter 2 Liter für 100 Kilometer Fahrstrecke. Und wenn auch dafür kein Kraftstoff mehr vorhanden ist? Toyota arbeitet parallel an einem rein elektromotorisch betriebenen Fahrzeug und zeitgleich an der Brennstoffzelle. Die Schere im Kopf kann schmerzhaft sein und zugleich kreative Kräfte frei setzen: 4 Stunden Aufladezeit für die Akkus, um 80 Kilometer weit zu fahren oder gar nur 3 Minuten Auftankzeit bei der Brennstoffzelle, um etwa 500 Kilometer weit zu reisen. Das wird die nähere Zukunft sein …

Text und Bilder: Frank Nüssel/CineMot

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