DTM: Historische Titel für Spengler und BMW

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Herzschlag-Finale der DTM-Saison mit einem sensationellen Ausgang für Bruno Spengler und BMW: Der 29-jährige Kanadier sicherte sich durch seinen Sieg im zehnten und letzten Rennen in Hockenheim den Titel und verhalf Rückkehrer BMW nach 20-jähriger Abstinenz zu einem kaum für möglich gehaltenen Erfolg. Katerstimmung dagegen bei Mercedes-Benz, das nach den enttäuschenden Ergebnissen von Michael Schumacher und Nico Rosberg in der Formel 1 nun auch im letzten Rennen noch den schon sicher geglaubten Titel an die Münchener abgeben musste.

1,1 Sekunden entschieden nach zehn Rennen und rund zwölf Stunden erbitterter sportlicher Auseinandersetzung am Ende über Sieg und Niederlage. Denn so nahe war der Brite Gary Paffett im Mercedes, der vom ersten Saisonrennen die Fahrer-Wertung angeführt hatte, in der Schlussphase an den siegreichen BMW-M3-Fahrer herangekommen. Indes: Spenglers Traumstart, ein fehlerloser Job seiner Crew und „mein allererster und einziger Fehler in dieser Saison“ (Paffett über seinen eigenen Start) waren ausschlaggebend in einem Rennen, das in den letzten Runden an Dramatik nicht zu überbieten war.

Spengler, der neun Jahre lang „mit dem Stern im Herzen“ für Mercedes gefahren war, bewies am Finaltag unter größtmöglichem Druck ein reißfestes Nervenkostüm. Etwas, was man ihm bisher nicht unbedingt nachgesagt hatte, denn schon zweimal hatte er auf der Zielgeraden einer Saison einen großen Vorsprung in der Fahrerwertung wieder hergeben müssen. Doch der multilinguale Nordamerikaner ließ sich von dem ohne Rücksicht auf sein Auto und die Gesetze der Physik immer näher heran fliegenden Briten in keinen einzigen kleinen Fehler hetzen und fuhr „sein Rennen“ nach Hause. Dieser historische Erfolg brachte ihm nicht nur den Titel als Champion ein, sondern bedeutete auch die Markenwertung für BMW und die Teamwertung für das Team Schnitzer und den so akribisch arbeitenden Teamchef Charly Lamm.

„Es ist ein geiler Tag, mein gesamtes Team hat eine unglaubliche Arbeit gemacht und mir ein perfektes Auto hingestellt“, verteilte der Nachfolger des zu Saisonbeginn von Audi zu BMW gewechselten Martin Tomczyk artig Blumen. „Bruno ist verdient Meister geworden, er hat zum Schluss seine Chance genutzt. Der Dank aber gilt allen Beteiligten an diesem kaum für möglich gehaltenen Erfolg für unser Haus und unsere Marke“ werte BWM-Sportchef Jens Marquardt das Ergebnis für die Münchener als Premium-Hersteller sportlicher Fahrzeuge („Aus Freude am Fahren“) ein. Einer der Männer im Hintergrund, die einen ganz großen Anteil am Sieg des Briten und des BMW M3 DTM haben, ist der von Vielen zu Saisonbeginn verkannte Fahrzeug-Ingenieur Valentino Conti.

Das Fahrerfeld der Deutschen Tourenwagenmasters wird sich in der kommenden Saison erheblich verändern. BMW wird 2013 wie auch die beiden anderen Hersteller mit acht statt wie in der Premieren-Saison mit sechs Fahrern an den Start gehen. Neben dem ehemaligen Formel-Piloten David Coulthard wird auch die „Grande Dame DTM“ Susi Wolff (ehemals Susi Stoddart) die Szene verlassen. Zudem deutet sich auch der Abschied des 37-jährigen Ralf Schumacher von Mercedes und aus der DTM an. 2013 wäre dann nach fast einem viertel Jahrhundert die erste Motorsport-Saison ohne einen der beiden erfolgreichen Schumacher-Brüder.

Doch neben den Stuttgartern, die angesichts der über neun Runden haltendenden Dauerführung Paffetts so etwas wie die tragischen Helden dieser Saison waren, hatte auch Audi nach dem Saison-Halali Grund, „die Frontschürzen hängen zu lassen“. 2011 vom eigenen Piloten als Titelträger im Jahreswagen (Martin Tomczyk) quasi vorgeführt, war auch 2012 nicht das Jahr der Ingolstädter, die lediglich einen einzigen Saisonsieg (Mortara/Oschersleben) feiern konnten. Und im letzten Rennen mussten die einst so stolzen „Herren der Ringe“ auch noch die Markenwertung an die aufmüpfigen Bayern abgeben. Für Dr. Wolfgang Ullrich und seine Mannschaft aber wird das eher Ansporn sein, im nächsten Jahr noch einmal mit frischer Motivation anzugreifen.

Sieger aber waren in dieser Saison nicht nur Spengler und BMW, sondern die ganze Serie, deren Fans und die geistigen Väter eines neuen Regelwerkes, das bei abgespeckten Kosten der weltweit bedeutendsten Tourenwagenserie zu größtmöglicher Spannung, aber auch zu Transparenz und Nähe zu den Fans verhalf. Bereits jetzt steht fest: Die DTM-Fahrzeuge werden 2013 auf dem gleichen technischen Stand wie derzeit in die Saison gehen. Das Technische Reglement der DTM, das mit Beginn der Saison 2012 in Kraft getreten ist, wurde für das nächste Jahr mit Stand vom 15. Oktober 2012 festgeschrieben. „Wir haben in diesem Jahr tollen Sport gesehen. Alle drei Marken waren siegfähig und miteinander auf Augenhöhe“, sagt Hans Werner Aufrecht, Vorsitzender des DTM-Rechteinhabers und -Vermarkters ITR. „Für uns sind größtmögliche Sicherheit für die Fahrer und berechenbare Kosten für die Hersteller wesentliche Eckpfeiler unserer Strategie, besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“, sagte Aufrecht am Wochenende zum Ende der Saison 2012.

Text: Jürgen C. Braun
Fotos: Bernhard Schoke

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