Siegertypen-Comeback: Toyota und der Rallyesport

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Es ist noch nicht allzu lange her, da zogen sich angesichts schwacher wirtschaftlicher Daten namhafte Automobil-Hersteller werksseitig aus dem großen Motorsport zurück und lösten eine Welle der Verunsicherung aus. Das galt in der Formel 1 (Beispiel BMW), der DTM (siehe Opel) genauso wie in der Rallye-Weltmeisterschaft (mit den beiden erfolgreichen Protagonisten Mitsubishi und Subaru). Mittlerweile haben sich die Vorzeichen etwas geändert. BMW engagiert sich, wenn auch nicht in der Formel 1, so doch wieder in der Deutschen Tourenwagenmasters. Volkswagen wird mit dem Polo WRC im nächsten Jahr in der Rallye-Weltmeisterschaft einsteigen.Und jetzt zieht es angeblich auch Toyota wieder in die Rallye-Weltmeisterschaft zurück. Beim deutschen WM-Lauf, der dieser Tage an der Mosel und im Hunsrück ausgetragen wird, stellen die Japaner den Yaris R1A, ein Fahrzeug, das vor allem für Serieneinsteiger interessant sein soll, erstmals vor. Als Frontfrau für die Toyota Motorsport GmbH (TMG) fungiert die mehrmalige Damen-Weltmeisterin Isolde Holderied, die das spritzige kleine Etwas als Vorausfahrzeug der Deutschland-Rallye einsetzen wird. TMG bietet das Basisauto samt Umbau-Kit zum Preis von 22.500 Euro zzgl. Umbau und Mehrwertsteuer an.

Beatmet wird der flotte Fronttriebler von einem Vierzylinder–Sechzehn-Ventiler mit 99 PS. Zu dem knapp 1.000 Kilo leichten Rennfloh gehören ein Rennauspuff mit 55 Millimeter Durchmesser, ein speziell für den Motorsport konzipierter Dreiwege-Kat, ein höhenverstellbares Fahrwerk mit strafferen Federn. Hinzu kommen Sicherheitskomponenten wie ein Stahl-Überrollkäfig, OMP-Rallyesitze und ein Feuerlösch-System mit Fernbedienung. Also alles, was Neueinsteigern den Einstieg in die Serie erstens erleichtert, zweitens möglichst sicher gestaltet und drittens auch schmackhaft macht.
Toyota und der Rallyesport, das ist eine ebenso lange wie erfolgreiche Geschichte. Unter dem Namen TTE (Toyota Team Europe) und dem legendären Teamchef Ove Andersson feierten die in Köln ansässigen Driftkönige Erfolge auf den Wertungsprüfungen dieser Welt mit namhaften Piloten. Toyota gewann insgesamt drei Hersteller- und vier Fahrerweltmeisterschaften in den 1970er, 1980er und 1990er Jahren. Rallye-Legenden wie der Spanier Carlos Sainz, der Franzose Didier Auriol und der Finne Juha Kankkunen feierten auf der sagenumwobenen Toyota Celica oder zum Schluss der Corolla WRC ihre größten Erfolge. Auch der deutsche Europameister Armin Schwarz gehörte zur Starbesetzung des japanischen Autoriesen in der Rallye-WM.In den vergangenen Jahren hat sich Toyota und seine Edeltochter Lexus vor allem als Entwickler von Hybrid-Fahrzeugen einen Namen gemacht. Jetzt besinnen sich die Japaner offenbar ihrer motorsportlichen Vergangenheit und der immer noch vorhandenen Gene. Denn schließlich ist auf dem Gebiet der kompakten, bezahlbaren Flitzer mit einem großen Potenzial jugendlicher Kundenklientel genau so gutes Geld zu machen wie bei den fundamentalistischen Öko-Weltverbesserern.

Der TNG Yaris R1a soll noch in diesem Jahr seine FIA-Homologation erhalten. Damit könnte er theoretisch von regionalen Veranstaltungen bis hin zur Rallye-Weltmeisterschaft eingesetzt werden. Angedacht ist von TMG bereits jetzt, mit dem Fahrzeug im kommenden Jahr innerhalb einer bestehenden Rallye-Meisterschaft sechs Läufe zu einem eigenen Markenpokal zu organisieren. Das Feld für einen Wieder-Einstieg der Japaner in die Rallye-WM ist bestellt. „Isi“ Holderied ist die richtige Markenbotschafterin für diesen Auftrag. Der Serie könnte weitere Vielfalt nur gut tun.

Text: Jürgen C. Braun
Fotos: Oliver Kleinz, Toyota

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