Test-Tour: Infiniti EX30d

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Infiniti? – Selbst bei Menschen, die sich im normalen Alltag mit Namen und Marken von Automobilen als durchaus sattelfest erweisen, sorgt der Name mitunter immer noch für etwas Verwirrung. In den USA schon seit Jahren ein fester Begriff, sucht Nissans Edel-Ableger in Europa und besonders in Deutschland immer noch nach seiner eigenen Identität. Vor allem aber sucht er nach einem angemessenen Bekanntheitsgrad in den Köpfen von Menschen, die beim Kauf eines Automobils Wert auf gediegenen Luxus, entsprechende Fahrleistungen und kompetenten Rundum-Service legen und dabei nicht unbedingt jeden Cent dreimal umdrehen müssen. Wir fuhren den SUV aus dem Hause Infiniti, den EX30D GT Premium.

Lassen wir uns vom Kürzel am Ende des Namens zunächst in die Antriebswelt unseres Probanden einführen. Ein 238 PS starker, drei Liter großer Sechszylinder sorgt für die Beatmung eines Fahrzeugs, das auch in der Welt der Edel-SUV nicht eben dem Mainstream entspricht. Der dank der Kooperation Renault/Nissan aus dem Portfolio des französischen Autobauers stammende Motor verfügt über ein ausladendes Drehmoment von 550 Newtonmetern und damit auch über einen kräftigen Durchzug. Enthaltsamkeit ist aber nicht seine stärkste Tugend: Wir kamen im Testbetrieb auf einen selbst errechneten Schnitt von 9,4 Litern im Drittelmix.

Das Fahrwerk machte auf uns einen sportlich straffen, aber harmonisch ausgewogenen Eindruck. Der Hersteller gibt die Höchstgeschwindigkeit mit dem Selbstzünder-Antrieb mit 221 km/h und den Sprint von Null auf 100 mit 7,9 Sekunden an. Viel wichtiger und dem Fahrzeug zuträglicher erschien uns jedoch der dominante Durchzug des Aggregats über ein breites Drehmomentband hinweg.

Dank des Allradantriebs mangelt es wieder an Traktion noch an den umfangreichen aktiven und passiven Sicherheitsvorkehrungen. Das Lenkverhalten ist präzise, das Ansprechverhalten sensibel, ohne schwammig zu wirken. Die Siebengang-Automatik lässt den coupéhaften City-Crosser in der Stadt im Bummeltempo bei 2000 Touren gemütlich dahin gleiten. Sie erledigt die Gangwechsel aber auch bei hohen Drehzahlen präzise ohne erkennbaren Verlust von Kraftschluss. Manuelle Eingriffe durch den Wählhebel in der Schaltkulisse sind da eine Option, der es nicht unbedingt bedurft hätte. Wenn schon diese Alternative, dann hätte man das Erledigen der Schaltvorgänge auch per Schaltwippen anbieten können.

Zur Optik: Mit seinem auffallenden, auch recht wagemutigem gewölbten Dach, das sich wie ein schützendes Himmelszelt über den wuchtigen Fahrzeugkörper legt, kommt er ein wenig auf den BWM X3 raus. Weniger dagegen auf die Familie der Q-Modelle aus Ingolstadt oder auf die M-Klasse von Mercedes-Benz. Das Fahrzeug wirkt bei aller ausdrucksstarken Erscheinung eines SUV ein wenig filigraner, ohne dabei sportlich-dynamischen Anspruch vermissen zu lassen. Schon auf den ersten Blick muss man diesem Infiniti und seiner optischen Erscheinung zugestehen: Er hat eine gewisse Extravaganz, die vergleichbaren deutsche Premium-Modellen abgeht. Von zweckgebundenen Basic-Japanern oder gar dem in jüngster Zeit gern zitierten Antistatus-Fahrzeug aus dem gleichen Segment gar nicht erst zu sprechen.

Der Hersteller selbst spricht bei dem nur 1,58 Meter hohen Fahrzeug von einem Coupé-Crossover. Eine Bezeichnung, die dem Äußeren des Fahrzeugs durchaus gerecht wird, berücksichtigt man die fallende Dachlinie. Bauartbedingte Einschränkungen eines Coupés lassen sich allerdings auch bei unserem Testfahrzeug nicht verhehlen. Zwar sorgt die hohe Sitzposition für eine gute Rundumsicht, die aber etwas auf Kosten der Kopffreiheit geht. Zudem erinnert der Blick in den Rückspiegel durch die Heckscheibe eher an eine etwas zu groß geratene Schießscharte. Zwar macht das gesamte Interieur dank der Beschaffenheit und Verarbeitung der Materialien einen äußerst ansprechenden und gediegenen Eindruck, dem Raumgewinn kommt die Konstruktion allerdings weniger entgegen. Das gilt auch für das Gepäckabteil, das sich allerdings einer geteilten und elektrisch klappbaren Rücksitzlehne schnell und mühelos erweitern lässt.

Der Infiniti EX30d verfügt über eine umfangreiche Serienausstattung auf einem hohen Komfort- und Sicherheitsniveau. Das Display, dessen Bedienung (Touchscreen optional), die Farbauflösung und die Bluetooth-Verbindungen machen das Fahrzeug mit seinem gesamten Infotainment-Angebot zu einem angenehmen und komfortablen Reisebegleiter auch auf langen Strecken. Die Auflagefläche der Beine ist mehr als ausreichend, ermüdend war auch das Absolvieren stundenlanger Autobahnfahrten in keiner Weise.

Als Infiniti EX30d GT Premium kostet dieser Edel-Japaner, der aus dem Massenangebot in diesem Segment individuell eindrucksvoll herausragt, 60.150 Euro. Kein Schnäppchen, aber den (meist mainstream-orientierten) Mitbewerbern vergleichbar.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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