Test-Tour: Tecdrah 4×4

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Echte Geländewagen, mit Reduktionsgetriebe, permanentem Allradantrieb, Achssperren und anderen wertvollen Ingredienzien, warten im Durchschnitt mit 2,0 bis 2,5 Tonnen Lebendgewicht auf. Selbst ihre Halbgeschwister, sogenannte SUV (Geländewagen ähnliche Vans mit variablem 4×4-Antrieb) liegen zwischen 1,6 und 2,0 Tonnen. Diese Fakten machen starke und entsprechend durstigere Motoren notwendig. Markus Nöske, examinierter Designer, stand fast ein Dreiviertel Jahrzehnt bei Landrover und Jaguar auf der britischen Insel in Diensten, war tagtäglich mit den Problemkreisen Form und Funktion, also Technik und Design befasst. Irgendwann hatte er die Idee, ein pflegeleichtes, haltbares, preiswertes Allradfahrzeug zu entwickeln für den Berufsmann ebenso wie für den Offroad-Freund. Ein Fahrzeug, das in Forst und Flur, in der Hochbau-Baustelle und im offenen Tagebau ebenso seinen Mann steht, wie für den Freizeit- und Lifestyle-Freak.

So begann Nöske die Suche nach einem Technik-Partner, der Fahrschemel, Antriebseinheit und Nebenkomponenten aus einer bewährten und preisgünstigen Serienproduktion bot. Nach Gesprächen mit VW und Opel entschied sich der Designer mit den subtilen technischen Genen für Renault, deren Tochter DACIA mit dem Modell Duster einen echten Kracher im SUV gelandet hatte. Nöske wurde fortan zum spiritus rector des Travec-Tecdrah-Modells, rechnete mit seinen Partnern, entwickelte zügig und baute die erste Miniserie zum Austesten. Wir durften, unter den wenigen Auserwählten, den Tecdrah fahren und begutachten.

Vor uns steht ein knall-orangefarbenes Gefährt in einem Outfit, das an Defender 90, G-Modell und Hummer erinnert. Ein kantiger Geselle, aber attraktiv. Der 1,5-Liter Diesel aus dem Renault-Sortiment springt leise und spontan an, nimmt zügig mit ordentlichem Drehmoment die Fahrt auf. Um der schönen Fotos wegen hatten wir um die (später optionale) Umrüstung auf 19-Zoll-Alufelgen gebeten, die mit General Tire Grabber A/T-Gummis bezogen waren. Serie: 16-Zoll. Unser Tecdrah ist ein Prototyp und Nöske meinte: Da wird noch einiges klappern und knarzen, was natürlich in der Serie nicht mehr auftritt, vergessen Sie nicht: Wir haben das Fahrzeug für erste Testfahrten sehr schnell zusammengebaut. Nach etlichen Stunden, in denen wir dem Tecdrah gehörig auf den Zahn fühlten, war die Bilanz wesentlich erfreulicher, als sie der Vater des Fahrzeugs in Aussicht gestellt hatte. Die hohe Bodenfreiheit von fast 40(!!) Zentimetern erzwingt eine besondere Technik, um den Innenraum zu entern. Nach dem zweiten Mal ging es spürbar flüssiger. Das Wohnzimmer mit seinen 4 nobel ausgeformten Recaro-Sitzen wirkt großzügig, alle Schalter und Bedienorgane liegen griffig zur Hand, die Ablesbarkeit der Instrumente ist tadelsfrei: Wir fühlten uns auf Abhieb wohl. In etwas flotter gezirkelten engen Kurven tendiert das Fahrwerk zum leichten Untersteuern, gibt sich aber ansonsten komfortabel mit leicht sportlicher Attitüde. Der zuschaltbare Allradantrieb mit elektronischer Sperre der Hinterläufe erlaubt sogar das Erklimmen steiler Pfade und hartnäckiger Böschungen. Wenn es denn einmal sein muss. Der sehr kurze erste Gang (von 6) lässt die fehlende Geländereduktion streckenweise überhaupt nicht vermissen (wie seinerzeit bei der ersten Generation des Nissan X-Trail, denn der Tecdrah-Antrieb stammt von Nissan!).10 Testfahrzeuge sind derzeit in Europa zwischen Schweden und der Türkei unterwegs, um Langstreckenerfahrung zu sammeln. Danach wird ab Anfang Mai eine Kleinserie von 45 Tecdrah's für die Homologation gebaut. Der Start zur Serienfertigung erfolgt folgerichtig im Herbst 2012. Alle Garantien und Gewährleistungen liegen auf Renault- und Dacia-Niveau und können bei diesen Händlerbetrieben durchgeführt werden. Zum kalkulierten Basic-Endpreis von 18.900,- Euro ein absolut unschlagbares Angebot. Die künftige Farbpalette umfasst unter anderem außer Orange noch Gelb, Grün, Blau, Sand, Schwarz. Das zielt nicht nur auf die Jugend, die reifere Jugend und Freunde von Fun & Fashion. Man kann den Tecdrah mit Cabrio-Halbverdeck oder als Hardtop bestellen, enthalten sind serienmäßig: ABS, ESP und Euro-5-Zertifikat. 1.300 Kilo Material waren selten so preiswert und so günstig zu bewegen: Wer es der Vita des Fahrzeugs entsprechend angehen lässt, kommt locker mit 5 Liter Leichtöls aus und Werte über 6,5 Liter dürften zu den Raritäten zählen. Die aus sortenreinem, wertigem Kunststoff-Granulat erschmolzene Karosseriebasis (ABS) ist hoch schlagfest, splitterfrei und durchgefärbt. Und mittels einer Acrylglasschicht glänzend und UV-beständig. Zudem sorgt ein Verbund aus Kunststoff, Leichtmetall und Stahlelementen für eine stabile, verwindungsfreie Karosseriestruktur. Gute Gene also. Obwohl nur wenige bislang den Tecdrah fahren durften, ist die Bestellliste mit weit über 8.000 Exemplaren alleine bis Ende 2011 mehr als erfreulich.

Text und Fotos: Frank Nüssel/CineMot

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