Oldtimer-Grand-Prix auf dem Nürburgring – eine Zeitreise

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Zu einem großartigen Festival der Legenden des Motorsports wurde am Wochenende die 39. Auflage des AvD Oldtimer-Grand-Prix auf dem Nürburgring. Ein dreiviertel Jahrhundert ebenso einzigartiger wie (fast) unbezahlbarer Automobile gab sich in der Eifel ein Stelldichein. Es sind Namen, die jedem Motorsportfreund, und beileibe nicht nur den sogenannten reiferen Jahrgängen, fast schon einen Schauer des Entzückens über den Rücken jagen. Die Tourist Trophy, die Targa Florio oder die Mille Miglia. Arenen und Rennstrecken, auf denen Helden in Cockpits geboren wurden. Männer in ölverschmierten Rennanzügen, mit vor Anstrengungen gezeichneten ruß-geschwärzten Gesichtern, die den tiefen Abdruck der klobigen und kantigen Rennfahrerbrille in ihren gegerbten Falten trugen. Namen, die für Epochen in fast acht Jahrzehnten standen und immer noch stehen. Tazio Nuvolari, Rudolf Carraciola, Sir Stirling Moss, Wolfgang Graf Berghe von Trips.

Automobile, mit denen diese Giganten der Rennstrecke sich in die Geschichtsbücher fuhren und dort unweigerlich verewigt wurden, waren am Wochenende in der Eifel wieder zu Gast. Ein unvergleichliches Kaleidoskop motorsportlicher Raritäten und Unikate aus acht Jahrzehnten. Angefangen vom 21. Historic Marathon über die Nordschleife über historische Formel-1-Fahrzeuge, einem Revival der Deutschen Rennsportmeisterschaft bis hin zu den Geburtstagskindern: den bildschönen Jaguar E-Type, die am Wochenende in eigenem Rennen das 50. Wiegenfest feiern durften.

Doch wie immer ging es beim Oldie-GP des AvD nicht nur ums bloße Dabeisein, sondern um den sportlichen Wettstreit auf der Rennstrecke. Historische Renntechnik wurde den staunenden Besuchern nicht nur als purer Selbstzweck, sondern in seiner ursprünglichen Bestimmung wieder auferstehen gelassen. Ein akustisches Erlebnis, das kein aufheulendes Formel-1-Triebwerk mit seinen 19.000 Umdrehungen auch nur ansatzweise nachzuahmen in der Lage ist. Ein dumpfes Grollen in der Magengrube beim Anlassen der großvolumigen Aggregate, dann jene mitreißend Sinfonie der Ventile, wenn das Feld geschlossen auf die erste Kurve zu jagt und dann mit markigem, aber sonorem Grollen seine Schleifen zieht: Das, und nur das, ist der Oldtimer-Grand-Prix auf dem Nürburgring. Künstler am Pedal wie Walter Röhrl und Klaus Ludwig waren an den drei auserlesenen Renntagen im Einsatz und konnten sich der Faszination der von ihnen gefahrenen Fahrzeuge nicht entziehen: Das war ein einziges Abenteuer. Das war schlimmer als im Winter auf Sommerreifen über Glatteis, wetterte Rallye-Ikone Röhrl, der bei heftigen Wolkenbrüchen und schweren Gewitterschauern in einem Porsche 911 (Jahrgang 1965) den Fans eine spektakuläre Kurvenshow geboten hatte. Doch der lange Regensburger gewann dem Oldie jene Seite ab, die für viele Aktive und Besucher am meisten zählt: So viele Freunde und so viele Gleichgesinnte wie bei dieser Veranstaltung findet man sonst nirgends in dieser Ansammlung.Und sie werden wieder kommen im nächsten Jahr. Dann, wenn der Automobilclub von Deutschland die Legenden auf vier Rädern wieder in die Eifel einlädt: Zur knatternden und röhrenden Ü80-Party zwischen Klassik, Kolben und Kerzen.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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