Test-Tour: Chevrolet Captiva

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Das SUV-Segment (Geländewagen ähnliche Vans) darf sich mit besonderen Lorbeeren schmücken: Es weist – prozentual- die höchsten Zulassungssteigerungen unter den Pkw im ersten Quartal 2011 auf. Dieser Trend hatte sich bereits Mitte 2010 angekündigt. Nicht an diesem Siegeszug teilnehmen konnten nur wenige, darunter Mitsubishis Outlander (der vom etwas kleineren Bruder ASX als Verkaufsrenner kannibalisiert wurde), BMW mit den Reihen X5 und X6, KIA Sorento und Hyundai Santa Fe. Mit Rang 43 unter den 68 gelisteten SUV's steht der Chevrolet Captiva zwar nicht ganz vorne, was sich aber nach der stark überarbeiteten Modellauffrischung ausgangs des letzten Winters bald ändern wird. Immerhin hat es der Captiva geschafft, seinen technisch fast identischen Konzernbruder, den Opel Antara, weit abzuhängen. Warum eigentlich, haben wir uns gefragt, rangiert der Captiva nicht spürbar weiter vorne, wo sein Gesamtkonzept doch alle Ingredienzien und Argumente für eine bessere Platzierung aufweist.

Einer der möglichen Gründe: Die Vielzahl an Mitbewerbern, die meist schon länger auf dem Markt sind und inzwischen bereits mehrfach facegeliftet wurden. In unserem Fahrtest zeigte der Neue im Vergleich zum Vorgängermodell, dass man mit einer Verbeugung beginnen sollte: Schon beim Einstieg stoßen Zeitgenossen ab 180 Zentimetern Körperlänge mit dem Kopf gegen den oberen Türrahmen. Die A-Säulen ducken sich im flachen Bogen Richtung B-Säulen. Das irritiert doch etwas. Die Fahrer-Sitzposition ist für ein SUV ungewöhnlich niedrig, wenngleich sich der Sitz manuell hoch pumpen lässt. Damit ist der Vorzug, hoch zu Ross die Verkehrslage besser zu überschauen, etwas verschenkt. Das manuelle neue 6-Gang-Getriebe möchte, bitte schön, langsam und mit Bedacht geschaltet werden, sonst revanchieren sich die Zahnräder mit Hakelei und Knirschen. Aber: Es ist neu und bietet so den Konstrukteuren noch etwas Verbesserungs-Potential. Von den 4 neuen Motoren (zwei Diesel, ein V6-Benziner und ein 2,4-Liter Benziner) fuhren wir den 2,4er Ottomotor. Der geht mit zunehmender Drehzahl auch entsprechend temperamentvoll zu Werke (167 PS) und weist sein bestes Drehmoment von 230 Newtonmetern bei 4.600 UpM (Kurbelwellen-Umdrehungen pro Minute) auf. Das leere Lebendgewicht ist für einen reinen Fronttriebler mit 1,8 Tonnen recht hoch, zumal ja die schwerere Allradtechnik fehlt. So waren wir gespannt auf die Verbrauchsabrechnung. Darüber später. Den Fahrwerksingenieuren ist ein prächtiger Kompromiss aus sportlicher und komfortabler Abstimmung gelungen. Die Bremsen packen relativ scharf, aber gut dosierbar zu. Und wenn der Anker mal in Not geworfen werden muss, bringen die 4 Scheibenbremsen die ganze Fuhre zielgenau und richtungsstabil auf den Punkt zum Stehen. Die Qualität der Verarbeitung und die verwendeten Materialien machen einen guten, klassengemäßen Eindruck. Chevrolet gibt den Normverbrauch, der auf Laborwerten in einem bestimmten simulierten, aber genormten Zyklus beruht (und mit der Alltagspraxis herzlich wenig zu tun hat – wie bei allen anderen Herstellern auch), mit 8,9 Litern an.

Wir bemühten uns ganz ehrlich, diesen Wert zu erreichen. Wer mit ganz dünner Sohle Gas gibt, ausgesprochen degressiv dahinrollt und das Thema Beschleunigung gänzlich aus dem Gedächtnis streicht, kann es sogar schaffen, mit 8,0 – 8,6 Litern unterwegs zu sein. Das macht dann aber relativ wenig Freude! Nutzt man das wahre Potential des Antriebs, wenngleich innerhalb vernünftiger Grenzen, so rannen dennoch im Mittel unserer Fahrt 10,9 Liter durch die Einspritzdüsen, wobei flinke Autobahnfahrten in der lang ausgelegten 6. Welle noch die günstigsten Werte waren. Cityverkehr mit vielen Gangwechseln führte zu Teilverbräuchen um die 13 Liter. Da liegen Captiva's Dieselbrüder aber gehörig drunter. Vielleicht könnte man am Gewicht sparen, die beiden oben liegenden Nockenwellen, eigentlich ein Wert-Zeichen sehr sportlicher Aggregate, lassen den Motor recht hoch drehen und das Vierventilsystem im Zylinderkopf gilt auch nicht gerade als Kostverächter. Insgesamt wäre ein Leistungs-Downsizing mit weniger PS doch die bessere Lösung, denn keiner erwartet von einem SUV hohe Drehzahlen und motorsportliche Eignung. Innenraum-Konzept, Verarbeitung, Sicherheitsmerkmale, Fahrwerk, Preise und das gesamte Erscheinungsbild des neuen Captiva sind hingegen durchaus eine Empfehlung im Concerto Grosso der SUV's.

Text: CineMot/Frank Nüssel
Fotos: Chevrolet

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