Rolls Royce Royal: Eine Traumfahrt

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SP-X/Salzburg. Aus der Ferne ertönen die Kirchturmglocken. Im Innenraum bleibt es mucksmäuschenstill. Der dicke Teppich und die üppigen Polster schlucken jedes Geräusch. Nur das Ticken der kleinen Uhr im Cockpit zeugt vom Fortschreiten der Zeit. Sanft gleiten wir mit dem schwarzen Ungetüm über Salzburger Straßen. Ein Geruch wie aus einem britischen Gentleman’s Club dringt in die Nase. Es ist eine Mischung aus Holz, Samt und schwarzem Tee, sie versprüht Tradition pur. Wir versinken in den tiefen, weichen Polstern und genießen den Blick auf die vorbeiziehende Landschaft. Die Viergangautomatik wechselt nahezu ruckfrei die Gänge und Schaulustige am Straßenrand bestaunen den glitzernden Lack des Rolls-Royce Phantom VI. Durch die große Heckscheibe sehe ich fröhlichen Gesichtern nach.

So darf man sich die Fahrt von Prinz William und Kate Middleton im Rolls-Royce Phantom VI zu ihrer kirchlichen Trauung vorstellen. Es ist das erste Mal, dass ein zukünftiges britisches Königspaar ein Auto für die Fahrt zum Altar nimmt. Prinz Charles und Lady Diana wählten noch die traditionelle Kutsche. Doch auch dieses Auto ist natürlich standesgemäß und wird dem Anlass gerecht: Der Rolls-Royce Phantom VI gehört alleine durch seine äußerliche Erscheinung zum königlichsten und wertvollsten, was je gebaut wurde. Der Rahmen besteht aus Eschenholz und die Karosserie aus Aluminium – alles in Handarbeit zusammengebaut. Angetrieben wird die rund drei Tonnen schwere Limousine von einem 6,2-Liter-V8 mit 190 PS, der Verbrauch von rund 20 Litern dürfte niemanden interessieren. Der genaue Preis kann nur geschätzt werden, denn fast jedes der insgesamt 374 Exemplare, die zwischen 1968 und 1991 gebaut wurden, besitzt eine individuelle Ausstattung. Kate und William werden sich beispielsweise durch extra große Fenster und einen höheren Aufbau dem britischen Volk zeigen. Das Hochzeitsauto ist ein 1977er Phantom VI Silver Jubilee Car, den Queen Elizabeth II. im Jahr 1977 zum 25-jährigen Thronjubiläum geschenkt bekommen hatte.

Zwar umfasst der Fuhrpark der Royals viel mehr Fahrzeuge, doch keines ist dabei so repräsentativ und dabei noch zuverlässig. Johannes Vonier, Direktor des größten Rolls-Royce-Museums der Welt mit Sitz in Dornbirn/Österreich, ist ein ausgewiesener Spezialist für die Phantom-Reihe: „Die Größe, die Qualität des Motors und die Ruhe im Inneren machen den Phantom zum perfekten Hochzeitsauto. Kate und William werden die Fahrt auf jeden Fall genießen.“

Genau wie ich. Der Motor läuft so ruhig, dass eine auf dem Kühler stehende Münze bei laufendem Betrieb nicht umfällt. Im Innenraum ist zwar Platz für bis zu sieben Personen, doch bei der Fahrt zum Altar werden weniger Mitreisende dabei sein. Genügend Platz für Kate, ihre langen Beine in dem rund einen Meter langen Fußraum auszustrecken. Der livrierte Chauffeur sitzt auf robustem Leder und blickt über die Kühlerfigur. Statt der „Spirit of Ecstasy“, besser bekannt als „Emily“, führt dann allerdings der Schutzpatron des Königshauses, „George and the Dragon“, den rechten Weg durchs britische Königreich – bei offiziellen Anlässen wird die Figur immer getauscht. Ein Nummernschild ist dann natürlich überflüssig.

Leise surrt die Trennscheibe nach oben. Ich nehme das ledereingefasste Tagebuch aus der Mittelarmlehne, um die Eindrücke des Tages festzuhalten. Ob für Kate und William eine Seite ausreichen wird? Die Zweizonen-Klimaanlage lässt ein angenehmes Lüftchen zirkulieren und aus dem alten Phillips-Radio schwingt ein Wiener Hochzeitswalzer. Dieser Rolls ist zwar nicht das Hochzeitsauto, aber genau der gleiche Typ und eines der ersten Fahrzeuge, das überhaupt gebaut wurde. Und irgendwie gehört dieser Phantom auch zur königlichen Familie: 1978 wurde Prinz Michael von Kent, ein Vetter der Queen, in Wien damit zu seiner Hochzeit gefahren. Selbst Prinzessin Anne, die Schwester der Queen, saß schon in genau diesem Fahrzeug. Und auch seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II nahm 1983 im Rahmen des österreichischen Katholikentages Platz im herrschaftlichen Fond. Das Salzburger Auto sucht jetzt einen neuen Besitzer. Einen, der dem Händler „Classica“ rund 235.000 Euro zahlen kann – ein wahrhaft königlicher Preis.

Text und Fotos: SPot Press Services/Fabian Hoberg

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