Erste Erfahrungen: Hyundai Veloster

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Da soll noch einer sagen, die Koreaner bauen langweilige Autos! Klar, ein Hyundai i10 ist vor allem preiswert, ein i30 grundsolide und der ix35 ein ausgereifter Konkurrent für den VW Tiguan. Doch so richtig schräg und schrill sind die Bestseller aus Fernost nicht. Bislang zumindest. Denn wenn nach den Sommerferien auch in Deutschland der Veloster an den Start geht, sieht die Sache plötzlich ganz anders aus. Der Sportler für die Westentasche misst zwar nur 4,22 Meter, ist aber cooler als das Renault Mégane Coupé, der VW Scirocco und der Honda CR-Z zusammen – und mit einem bislang nur geschätzten Einstiegspreis von knapp unter 20.000 Euro auch noch ein gutes Stück billiger.

Gezeichnet ist der Viersitzer nach dem Motto: „Auffallen um jeden Preis.“ Mit seinem bulligen Gesicht boxt der Veloster alle anderen von der Überholspur und zeigt ihnen danach eines der schrägsten Hecks diesseits des BMW 5er GT. Die Brüstung ist ungeheuer hoch gezogen, die Scheibe ist schmal aber dafür bis weit ins Dach gebaut, die beiden Endrohre wurden kess in die Mitte gerückt, und die Rücklichter sind wie mit dem Kuchenmesser aus dem Blech geschnitten – daran muss man sich erst gewöhnen. Der Clou des Coupés ist aber die viel zu kurze Flanke mit ihrem eigenwilligen Türkonzept: Links gibt’s nämlich nur eine, rechts dagegen zwei Zustiegsmöglichkeiten.

Obwohl das den Hinterbänklern das Leben leichter machen soll, kann man den Veloster nicht guten Gewissens als Viersitzer bewerben. Klar: Zwei Vorschulkinder werden in der tiefen, dunklen Höhle ihren Spaß haben. Und zur Not taugt sie auf Kurzstrecken auch für zwei Erwachsene. Doch im Alltag ist der Rücksitz kaum mehr als eine bequeme Gepäckablage, die der Veloster eigentlich gar nicht nötig hat – schließlich fasst der Kofferraum überraschende 320 Liter.

Während man hinten sitzt wie zwischen den Backen eines Schraubstocks, geht es vorn überraschend bequem zu: Die tiefen Sessel bieten einen guten Seitenhalt, man hat genügend Platz für Bauch und Beine und findet schnell eine bequeme Sitzposition. Nur der Scheitel schleift ein wenig am Dach – aber was will man bei nicht einmal 1,40 Metern Dachhöhe auch erwarten?

Diese Einschränkung wird man mit einer gewissen Demut hinnehmen. Doch beim Anblick des Cockpits reibt man sich die Augen: Zwar ist das Armaturenbrett nicht ganz so schlicht und schmucklos gestaltet wie beim i30, aber so recht will die graue Plastikwüste nicht zum schillernden Exterieur passen – selbst wenn sie von ein paar Chromrahmen aufgelockert wird. Aber irgendwo müssen offenbar auch die Koreaner sparen.

In Fahrt bringt den Veloster bei uns nur der bekannte Benzin-Direkteinspritzer mit 1,6 Litern Hubraum und 140 PS. Für einen Sportwagen, der eher in die Polo- als die Golfklasse gehört, geht der Veloster damit ordentlich ab. Er sprintet in knapp zehn Sekunden auf Tempo 100 und kratzt bei Vollgas an der 200er Marke. Das ist nicht schlecht. Allerdings dürfte der Wagen ein wenig knackiger abgestimmt sein und ein bisschen kerniger klingen, damit das Adrenalin in Fluss kommt. Wie immer bei Hyundai gibt’s auf Wunsch Start-Stopp (Verbrauch: 5,6 statt 6,2 Liter) und nun erstmals auch eine Doppelkupplungsautomatik.

Adrenalin hin, Emotionen her – wo der Veloster auftaucht, sind ihm alle Blicke sicher. Deshalb ist Europachef Allan Rushforth überzeugt, dass das Coupé die Marke noch weiter in den Focus rücken und sie für neue Kunden erschließen wird. Große Konkurrenz müssen die Koreaner dabei nicht fürchten, denn das Auto ist so unkonventionell, dass es gar keine direkten Wettbewerber hat.

Text: Spot Press Services/Benjamin Bessinger
Fotos: Hyundai/SPS

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