Formel 1: Auftakt mit neuen Regeln

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Zwei Wochen später als erwartet beginnt mit dem „Großen Preis von Australien“ in Melbourne die neue Saison in der Formel-1-Weltmeisterschaft. Das ursprünglich für den 13. Februar in Bahrain vorgesehene Auftaktrennen wurde wegen der politischen Unruhen in der Golf-Region kurzfristig abgesagt. www.kues.de wird in den nächsten Tagen in loser Folge mit Text- und Bildbeiträgen vor dem Formel-1-Start informieren. Zum Auftakt beschäftigen wir uns heute mit dem neuen Regelwerk, vor allem mit Technik und Einsatz des neuen verstellbaren Heckflügels.

Drei Neuerungen werden sich in erster Linie auf das Geschehen in der neuen Saison auswirken, wobei sich auch für die (Fernseh)-Zuschauer neue Perspektiven ergeben. Es geht um den neuen Reifenhersteller (Pirelli), um die Abschaffung des immer wieder heiß diskutierten Stallorderverbotes und um die Einführung des beweglichen Heckflügels.

Bereits im Juni 2010 wurde offiziell publik gemacht, dass ausschließlich Pirelli die Königsklasse des Motorsports in den nächsten drei Jahren mit Pneus ausrüsten wird. Das erforderte für die Italiener eine ebenso lange wie intensive Vorbereitungszeit. Das Reifenmonopol in der Formel 1 ist eine strittige Angelegenheit. Bis zum vergangenen Jahr hat Bridgestone (seit 2007 ebenfalls Monopolist), noch Pneus an die Herren Vettel, Alonso, Schumacher und ihre Teams geliefert. Nach insgesamt 14 Jahren stieg das Unternehmen nach der vergangenen Saison aus und machte Platz für Pirelli, das bei der Entwicklung seiner Pneus auch auf die Erfahrung von Nick Heidfeld vertrauen durfte. Der 33-Jährige, seit dem Jahr 2000 im „Zirkus Ecclestone“ dabei, war von seinem Arbeitgeber dafür frei gestellt worden.

Heftig diskutiert wird über die ab dem Australien-Rennen erlaubten verstellbaren Heckflügel und dessen Auswirkungen. Anpressdruck, Traktion, Auftrieb, Abtrieb: Also alles was den direkten Kontakt des Fahrzeugs während hoher Geschwindigkeiten mit dem Untergrund verändern kann, wird sich letztendlich genau so auf das Rennen auswirken wie technische Details am Motor oder die Kunst des Piloten, im entscheidenden Moment das Richtige zu tun.

Der verstellbare Heckflügel ist eine der spektakulärsten Änderungen im Regelwert der neuen Saison. Unter dem Strich geht es darum, das Überholen in bestimmten Situationen zu erleichtern und damit für zusätzliche Action während des Rennens zu sorgen. In Verbindung mit dem KERS-System (Bremsenergie-Rückgewinnung), auf das die Teams im vergangenen Jahr freiwillig verzichteten, sollen beide Systeme gemeinsam am Ende einer Gerade bis zu 20 km/h mehr an Höchstgeschwindigkeit bewirken. Jedenfalls stellt sich das der Weltautomobilverband, die FIA, so vor.

Während die Teams sich mit KERS aus dem Jahr 2009 bereits auskennen (82 Extra-PS für 6,7 Sekunden pro Runde) betreten alle Beteiligten beim verstellbaren Heckflügel Neuland. Erlaubt sind ein elektrischer oder ein hydraulischer Verstellmechanismus, wobei wohl die meisten Teams auf die Hydraulik setzen werden. Wann der Heckflügel gekippt wird, obliegt dem Fahrer, der diesen Vorgang per Knopfdruck im Cockpit auslöst. Daraufhin kippt der obere Teil des Flügels, der sogenannte „Flap“, nach hinten. Die Folge ist, dass sich die Spalte zwischen Flap und dem Hauptelement des Flügels um vier Zentimeter verschiebt. Das wiederum führt zum Strömungsabriss und zu höherer Endgeschwindigkeit.

Während im freien Training und im Qualifying die Aktivierung dieses Systems zu jeder Zeit erlaubt ist, wird das während des Rennens auf bestimmte Stellen und zu bestimmten Zeiten beschränkt. So muss der Fahrer eine bestimmte Zeit unmittelbar hinter einem langsameren Konkurrenten gefahren sein. Auch in den beiden ersten Runden und nach einer Safety-Car-Phase kann der Heckflügel nicht verändert werden. Sollte alles so laufen, wie sich die Technik-Gurus der FIA das vorgestellt haben, aktiviert der Bordcomputer den Verstellmechanismus erst dann, wenn ihm die Rennleitung das Signal dazu gibt. Dazu wird vor dem Start eine bestimmte, zum Überholen geeignete, Stelle des Kurses auserkoren.

Das wiederum bedeutet, dass auch die Fernsehzuschauer wissen, wann und wo der Fahrer mit seinem verstellbaren Heckflügel arbeitet und welche Auswirkungen das letztendlich hat. Es wird also letztendlich auf viele Erfahrungswerte ankommen und die Skepsis im Fahrerlager ist dementsprechend groß.

In unserer nächsten Folge zum Thema „Technik und Regeln 2011“ beschäftigen wir uns mit dem Verbot des sogenannten F-Schachts, der Abschaffung des Stallorderverbotes und der Wiedereinführung der “107-Prozent-Regel“

Text: Jürgen C. Braun
Fotos: media Ferrari.com

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