Foto 1
Foto 2
Foto 3
Foto 4

Früher wurden auf Gut Wiesenhof an der Saar Rennpferde gezüchtet – heute konzentrieren sich die versammelten Pferdestärken auf kompaktestem Raum. Zum Beispiel unter der Motorhaube des Supersportwagens C25, der hier auf Bestellung gebaut wird und 753 von ihnen unter seiner langgestreckten Motorhaube versammelt.

Die Kleinserie ist auf maximal 25 Einheiten limitiert, einige davon sind bereits verkauft. Das matt dunkelgrau lackierte Fahrzeug erhält ein Sammler in die Ukraine; in Genf steht ein dunkelrot-metallicfarbener C25 mit Sichtkarbon über Motorhaube und Dach, der auf die Bezeichnung Royale hört und in den Nahen Osten geliefert wird. Ein dritter C25 befindet sich derzeit im Rohbau und geht nach Dubai.

Im Gegensatz zum Mercedes-AMG SLS ist der Carlsson C25 frei von Retro-Anwandlungen. Gestaltet wurde der Bolide vom Designer Rolf Schepp, der mit seinen Zeichnungen unter dem Künstlernamen De Lusi regelmäßig den Blick in die Glaskugel der automobilen Zukunft wagt. Mit dem C25 konnte er ein eigenes Fahrzeug vorlegen, das sich deutlich von den teils etwas zerklüfteten Mercedes-Sportwagen abhebt und sich eher an der Ästhetik eines Aston Martin orientieren will.

Auf der Straße wirkt das Auto beeindruckend, das Heck ist schmaler als beim SL, die Kotflügel wirken nochmals breiter. Eine erhebliche Herausforderung war die eigenständige Dachlinie – laut Carlsson-Geschäftsführer Markus Schuster das, was einen wirklich eigenständigen Hersteller ausmacht.

Unter der Außenhaut des C25 steckt der Mercedes-Benz SL 65 AMG, allerdings gebührend verfeinert und nochmals leistungsgesteigert. Carlsson bekommt keine Chassis geliefert, sondern muss komplette Autos kaufen. Die technische Basis bürgt für Alltagstauglichkeit: Die Sitzposition ist komfortabel, und wie im SL fällt es leicht, sich zu orientieren. Dabei ist die Mittelkonsole zum Fahrer gedreht; der Instrumententräger ist durch ein eigenes Gehäuse blendfrei und gut abzulesen. Die Verarbeitung ist tadellos und klapperfrei. Und das Auto wiegt stolze 180 Kilogramm weniger als der SL, was nicht zuletzt auf das Konto der Kohlefaser-Dachstruktur geht.

Der auf 554 kW/753 PS leistungsgesteigerte Motor fasziniert mit einer unglaublichen Klangkulisse: nach außen bassig und sonor, innen jedoch aggressiv und nach einem abblasenden Kompressor klingend. Das Turboloch beim Gasgeben ist vernachlässigenswert, die Beschleunigung wie am Gummiband – bis in höchste Geschwindigkeitsbereiche. Freie Straßen vorausgesetzt, sind 300 km/h eine lässige Fingerübung. Mit 352 km/h Spitze deklassiert der C25 die meisten Konkurrenten gnadenlos.

Für die Kraftübertragung sorgt eine Fünfgang-Automatik, die sich mit präzise arbeitenden Schaltpaddeln manipulieren lässt. Die Servolenkung ist direkt ausgelegt, das Fahrwerk beim Testwagen gut für schnelle Landstraßen abgestimmt. Für die Rennpiste dürfte es noch etwas härter sein. Aber das lässt sich beim Kauf ebenso definieren wie das ESP, das auf Kundenwunsch angepasst wird. Das Minimal-ESP des dunkelgrauen Testwagens erlaubt lupenreines Power-Übersteuern, führt allerdings auch dazu, dass der Wagen bis etwa 120 km/h beim Gasgeben permanent auf der Suche nach Grip ist.

Wer nun einen C25 kaufen möchte, sollte sich schnell entscheiden: Pro Land will Carlsson nur ein Auto fertigen. Das Exemplar für Deutschland ist noch verfügbar. Die Bauzeit liegt bei zwei Monaten, je nach Sonderwünschen können aber auch drei bis vier daraus werden. Inbegriffen im Preis von 510.510 Euro ist die Umsetzung spezieller Designwünsche, solange es sich nicht um Gold- oder Diamantenbesatz handelt. Das kostet nämlich extra. Für ein komplettes Exterieur in 24 Karat berechnet Carlsson weitere 185.640 Euro.

Geschmackvoller wäre eine Clubsportversion des C25, über die man laut nachdenkt: Mit dünnerem Carbon und einem Acht- statt Zwölfzylinder wäre so ein Modell deutlich leichter. Und auch ein Spider ist möglich.

Text und Fotos: Spot Press Services/Matthias Knödler