Buchtipp der Woche (1)

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Ursula Ott: Total besteuert. Wie ich einmal ganz alleine den Staatshaushalt retten sollte.
Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv); 7,90 Euro.

Zum Jahresende denkt man an die Steuererklärung, die in Bälde fällig wird. Wer das nicht als Abenteuer sieht, in das man sich gespannterdings stürzt (und solche Menschen gibt es durchaus), sondern als Gang durch einen bisweilen unüberwindlichen Dschungel, sollte sich dieses Buch zulegen.

Vor wenigen Jahren wurde Ursula Ott eine Betriebsprüfung angekündigt. Dabei dachte sich die alleinerziehende Mutter, lange Jahre als vielgefragte freie Journalistin tätig, nichts Schlimmes … bis sie sich per Einschreiben mit dem Verdacht der Steuerhinterziehung konfrontiert sah. Sage und schreibe vier nachlässig verbuchte Honorare waren der Auftakt zu einer einjährigen Auseinandersetzung um Bücherquittungen, Bürostühle, Restaurantbesuche und etliches mehr. Streckenweise liest sich's wie Kabarett – und war doch die Realität.

Aus den Nöten dieses Jahres hat sie nun ein Buch gemacht, in dem sie zentralen Fragen auf den Grund geht – jenen Fragen, die auch in der öffentlichen Diskussion um Steuererhöhungen, Steuersenkungen, Steuergeschenke und so weiter so gerne untergehen. Zum Beispiel: Wofür braucht der Mensch Steuern? Der Staat braucht sie, unter anderem, um damit Straßen zu sanieren, die wir allesamt benutzen. So weit, so klar: Was Einzelne vom Verdienst abgeben, dient (oder sollte es wenigstens) dem Gemeinwohl.

Was Ursula Ott aber auch zeigt, sind die Absonderlichkeiten eines komplizierten Steuer-Systems, das zwar manchen Bürgern rigide zusetzt, an anderer Stelle aber Milliardentransfers ermöglicht, eines Systems, in dem übereifrig Prüfende neben Kollegen tätig sind, die ihre Aufgabe eher mit Augenmaß erfüllen. Da kann es schon mal vorkommen, dass zwei junge Männer, die gemeinsam neben dem Studium eine florierende Kneipe betreiben, mit einer Nachzahlung in sechsstelliger Euro-Höhe konfrontiert werden – obwohl sie bis dato ihre Pflichten korrekt erfüllt hatten oder zumindest nach bestem Wissen und Gewissen.

Bei ihren Recherchen ist sie aber auf zahlreiche Menschen gestoßen, die Grund zur Klage hatten. Keinem übrigens fehlte es an dem guten Willen, der Steuerpflicht nachzukommen. Höchste Zeit, das System tatsächlich zu vereinfachen. Für Ursula Ott übrigens ist es nochmal gut ausgegangen: Der Verdacht, der sie seinerzeit per Einschreiben aus der Ruhe brachte, bestätigte sich – auch ganz offiziell – nicht. Stattdessen klagte beim Abschlussgespräch die so emsig prüfende Dame im Gespräch mit der (Leid)-Geprüften darüber, zu privaten Feiern niemals eingeladen zu werden. Was diese Klage im Gespräch zu suchen hatte, mag sich nicht nur Ursula Ott gefragt haben. Wenn die Klage aber nun schon im Raum steht, ist man geneigt, mit Loriot zu antworten: Ach was!

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