Test-Tour: Chevrolet Cruze

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Das Original folgt der Nachbildung: Auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt am Main präsentierte Opel den vermeintlich schärfsten Konkurrenten des neuen Golf, die nächste Generation des Kompaktmodells Astra. Auf der Basis dieses Fahrzeuges aber durfte die GM-Tochter Chevrolet bereits Monate vorher ein Auto in der Kompaktklasse auf den Markt bringen, mit dem man dort erstmals nach den unseligen Daewoo-Zeiten kräftig absahnen will: den Cruze. Wir fuhren die Version mit dem 141 PS starken 1,8-Liter-Motor.

Mit dem Cruze bekommt der Chevy-Kunde viel Auto für sein Geld, und das sind in diesem Falle noch nicht einmal 20.000 Euro Euro. Das mag auch daran liegen, dass die Amis ihre eigenen Wertvorstellungen und Maße haben. Nicht nur, aber auch im Automobilbau. Denn dass Chevrolet, das zu früheren Südkorea-Zeiten noch unter Daewoo firmierte, den neuen Cruze in der Kompaktklasse etabliert, ist eigentlich etwas fragwürdig und gilt als umstritten. Mit einer Länge von fast 4,6o Metern ist der Viertürer länger als eine Mercedes C-Klasse und übertrifft sogar den 3er BMW um fünf Zentimeter. Der Golf, nachdem dieses Segment ja eigentlich benannt wurde, ist sogar fast 40 Zentimeter kleiner geraten als der Chevrolet Cruze.

Der viertürige, recht dynamisch geschnittene Cruze, trägt durchaus den Look eines flotten Coupés und hat nichts mehr mit dem formalen Einheitsbrei aus früheren Daewoo-Zeiten am Hut. Das gilt auch für den sportlich anmutenden Innenraum, der mit zweifarbig gehaltenen Materialien optisch und haptisch ansprechend wirkt. An deren Verarbeitung ist nichts auszusetzen, auf Knarzen oder Knacken wartet der Insasse vergeblich.

Doch der neue Chevrolet gefällt nicht nur mit ansprechenden optischen Aussagen, er hat auch durchaus praktische Alltagswerte. So lässt sich das griffige Lenkrad dreifach verstellbar einstellen, die Vordersitze bieten auch Personen mit langen Beinen genügend Auflagefläche und verfügen auch in engen Kurven über genügend Seitenhalt. Alle Instrumente und Armaturen sind ergonomisch übersichtlich angebracht und nicht puppig klein. Die analogen Anzeigen, deren Hintergrund beleuchtet ist, sind in der Dunkelheit angenehm und wohltuend.

Die weit arretierenden Türen ermöglichen einen bequemen Einstieg zu den hinteren Plätzen, wo es ebenfalls an Kopf- und Beinfreiheit nicht mangelt. Dank einer hoch schwingenden Heckklappe ist der Kofferraum mit der niedrigen Ladekante gut zu beladen. 450 Liter sind allerdings ein Fassungsvermögen, das in dieser Klasse eher durchschnittlichen Ansprüchen genügt.

Der 140 PS starke 1,8-Liter-Benziner ist zwar kein Ausbund an Sportlichkeit, wem fleißiges Schalten jedoch kein Gräuel ist, der kommt angesichts eines Drehmoments von 176 Newtonmetern dennoch flott voran. Die 200 km/h Höchstgeschwindigkeit lassen sich allerdings nur mit viel Geduld und bei entsprechender Geräuschkulisse erreichen. Wir lagen bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 7,1 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer.

Der Cruze lässt sich präzise im Kurvengeschlängel bewegen, für ein amerikanisches Auto ist er angenehm konturiert gefedert. Was auch dem Umstand geschuldet sein dürfte, dass Fahrwerk, Bremsen und Lenkung in Europa entwickelt und erprobt wurden. Zur serienmäßigen Ausstattung gehören ABS, Traktionskontrolle und ESP. Außerdem Front-, Seiten und Fensterairbags. In der Version mit dem 1,8 Liter großen Benziner kostet der Chevrolet Cruze, der im Prinzip das Modell Nubira beerben soll, ab 19.690 Euro. Vom Nubira selbst allerdings ist bei der Neuentwicklung des Kompaktklasse-Modells aus dem Hause Chevrolet nicht mehr viel übrig geblieben. Die Einstiegsversion des neuen Modells mit einem – allerdings etwas schwachbrüstigen 1,6 Liter Benzinmotor und 113 PS – liegt mit 14.990 Euro noch unter der magischen 15.000-Euro-Grenze.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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