IAA 2009: Sehr klein, sehr fein – die Luxus-Minicars kommen

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Wenn König Kunde in diesem Jahr durch die Messehallen und über das Freigelände der IAA läuft, dann hat er die Qual der Wahl: superschnelle Sportflitzer für sündhaft teures Geld, Vernunftautos der vierten oder fünften Generation mit dem x-ten Facelift, oder Studien von fast serienreifen Elektro-Fahrzeugen. Wohin der Kundenwunsch tendiert, ist freilich klar – nicht erst seit der IAA 2009 oder deren Vorfeld. Hochwertige Klein(st)wagen sind in und sie sind – anders als noch vor einigen Jahren – nicht unscheinbar oder rein auf Vernunft getrimmt.

Ein Beispiel zeigt in Halle 11 BMW mit der Mini-Präsentation zum 50. Geburtstag des britischen Kultfahrzeuges, das nicht nur durch die Beatles oder Mr. Bean berühmt wurde. Minis, aufgerüstet zum Super-Sportwagen mit Gokart-Charakter oder zum Lifestyle-Fahrzeug, das als rollendes Multimedia-Studio daher kommt. Klein und possierlich kann in der Autosprache, das zeigt diese IAA, auch durchaus luxuriös und anspruchsvoll bedeuten.

Was Mini recht ist, ist dem weltgrößten Autobauer Toyota in Frankfurt nur billig. Der kleine fliegende Hasenkasten iQ steht, optisch in einen giftgrünen Supersportwagen mit bulligem Blendwerk und martialischen Stoßfängern verwandelt, als Blickfang vor allem für die weibliche und die jugendliche Kundschaft auf dem Gelände der Japaner. Der neue Trend bei Premium-Autos, so hat auch eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) ergeben, geht zur Lücke, die da heißt: Klein, aber fein. Auch bei Herstellern hochwertiger Fahrzeuge werde sich die Nachfrage in den nächsten Jahren vor allem im Bereich der Junior Cars enorm steigern.

Das belegen auch aktuelle Beispiele aus namhaften Häusern, die sich der Fertigung edler Produkte auf vier Rädern verschrieben haben: Fiat setzt nach erfolgreicher Retro-Attacke durch den nuovo cinquecento nun auf den offenen kleinen Charmebolzen in Form des 500 C. Audi wird in Kürze mit dem neuen A1 zeigen, was man aus einem an sich schon hochwertigen Polo alles herausholen kann und auch BMW hat ein individuelles Kleinwagenprogramm angekündigt. Aus der BMW Group soll zudem die Fertigung eines Mini Coupé schon vor der Serienreife stehen. Selbst britische Eleganz (und mitunter auch Arroganz) verschließt sich dem neuen Standesdünkel im Westentaschenformat nicht: Aston Martin scheut sich nicht, den Cygnet auf Basis des Toyota iQ zu präsentieren.

Hintergrund dieses Umdenkens ist aber auch das sprichwörtliche ökologische Gewissen, das sich quer durch die Käuferschichten zieht. Deswegen geht es bei den luxuriösen Kleinen auch nicht nur um Noblesse und edles Tandwerk, sondern auch darum, dass es ein Kleiner auch tut, weil der nicht so viel Luft verpestet. Mancher potenzielle Käufer hat sich seine persönliche Messlatte in Sachen eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Umwelt eben sehr hoch gelegt. Und da beruhigt ein hübscher, aufgetakelter Mini eben mehr als ein dicker 7er.

Selbst die legendäre Ente wird zwangsveredelt auf der IAA präsentiert: In Form der Citroën-Studie Revolte. Anders als einst im legendären 2CV ist reichlich Velours und Leder unter dem Dach verarbeitet. Eine weitere Studie, mit Namen Elle, die in die gleiche Kerbe haut, zeigt auch Lancia mit einem umgemodelten Ypsilon. Der ist immerhin ein Stück näher dran an der Wirklichkeit als der Revolte. Für das Frühjahr 2010 wird eine limitierte Sonderserie erwartet. Die Nachfrage jedenfalls ist da – und diese wird noch anhalten, wenn die IAA 2009 ihre Tore längst geschlossen hat.

Text: Jürgen C. Braun
Fotos: Jürgen C. Braun, BMW

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