Buchtipp der Woche

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Alexander-Klaus Stecher: Die wilde Schule des Lebens. Prominente erzählen. Pattloch Verlag; 16,95 Euro.

Ich bin natürlich eine alte Schauspielerzicke, die mädchenhaft schnell beleidigt und in ihrem Stolz verletzt ist. So ehrlich zu sich selbst zu sein ist schon eine Kunst. Es anderen gegenüber auch noch zu sein, ist die noch viel größere Kunst. Gelungen ist es in diesem Beispielzitat Heiner Lauterbach, und der Mensch, dem er sich so offen zeigt, ist Alexander-Klaus Stecher. Vor allem durch Rollen in Serien wie Derrick, der Alte und Siska populär geworden, zeigt sich der Schauspieler hier von einer anderen Seite: Er befragt prominente Zeitgenossen nach deren ganz persönlichen Herausforderungen, nach Situationen, die sie in ihrem Leben als schwierige persönliche Prüfungen empfunden haben. Was Heiner Lauterbach hier als seinen ganz eigenen wunden Punkt angibt, hatte im Gespräch mit Alexander-Klaus Stecher einen empfindlichen Hintergrund: Lauterbach, langjähriger bekennender Frauenheld, Saufaus und Kettenraucher, reagierte – im wahren Wortsinne spürbar – empfindlich auf seinen Nebenbuhler, als er von einer Affäre seiner Frau erfuhr. Das ist Geschichte. In zweiter Ehe verheiratet, lebt er heute ruhiger: Er ist schon auf eine gewisse Art ruhiger geworden, auch wenn er nach wie vor sehr unternehmungslustig ist, sagt seine Frau.

Wesentlich heikler waren die Prüfungen des Lebens für Wolfgang Lippert: Eigentlich hatte der studierte Musiker Jazzer werden wollen, dann allerdings wollte Hitgarant Arndt Bause ihn für seinen Gassenhauer Erna kommt haben. Und der machte Lippert mit gerade 30 Jahren in der DDR zum Superstar. Als Interimsmoderator von Wetten dass erlebte er später, wie er erst hochgejubelt und dann genau so schnell niedergeschrieben wurde. Wolfang Lippert verschweigt im Gespräch mit Alexander-Klaus Stecher die persönlichen Kränkungen durch sowas nicht, aber er hält auch fest: Ich nehme mich selbst nicht so wichtig. Wenn einem wirklich schicksalhafte Dinge passieren, dann ist das viel schlimmer, als mal eine berufliche Flaute zu durchleben.

Zwei von rund 20 Beispielen, die zeigen: Hier nimmt ein Interviewer seine Gesprächspartner ernst, packt sensible Themen sensibel an, ohne zu kneifen. Da verwundert es nicht, dass neben Heiner Lauterbach unter anderem auch Percy Adlon, Anselm Bilgri, Uschi Glas, Hans-Dietrich Genscher, Charlotte Knobloch und Otmar Hitzfeld über ganz persönliche Erfahrungen ganz offen sprechen. Nochmal Heiner Lauterbach: Der versprach seinem Sohn Oscar zum 18. Geburtstag ein Auto – wenn Oscar bis dahin keine Zigarette anrührt. Ergebnis: Seit kurzem pilotiert Lauterbach junior einen eigenen Wagen.

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