Sekundenschlaf: Neuer Sensor erkennt drohende Gefahr

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Übermüdung am Steuer ist Sicherheits-Experten zu Folge ähnlich gefährlich wie Alkohol beim Fahren. Sie ist ursächlich für rund ein Viertel der schweren Unfälle auf Autobahnen. Um vor allem auf längeren Strecken eine drohende Übermüdung rechtzeitig zu erkennen, haben die Techniker bislang eine Reihe Lösungen entwickelt. Von Kameras, die die Pupille scannen, über Gesichtsfeldmonitore bis hin zu Spurhaltesystemen, die den Fahrer wecken, wenn er ungewollt seine Fahrspur zu verlassen droht. Allen Lösungen gemein ist, dass sie nicht unter allen Umständen zuverlässig arbeiten. Im Dunkeln beispielsweise funktioniert die Pupillenoptik ebenso wenig wie wenn der Fahrer eine Brille trägt. Zudem sind die bislang vorgestellten Systeme technisch komplex, damit teuer in der Produktion und letztlich auch für den Kunden.Abhilfe könnte ab dem kommenden Jahr ein Aufmerksamkeits-Assistent schaffen, den Mercedes entwickelt hat. Das System basiert auf einem zusätzlichen Sensor in der Lenksäule und ist technisch so einfach herzustellen, dass die Schwaben es serienmäßig in S- und E-Klasse, später auch in allen weiteren Baureihen einsetzen wollen. Der Lenkwinkelsensor registriert, wie der Fahrer lenkt und gibt die Informationen über die Lenkbewegungen an einen Rechner weiter. Dieser erstellt in den ersten Minuten der Fahrt ein individuelles Fahrerprofil. Abweichung von dieser jeweils neu erstellten Norm bewertet der Attention Assist, wie Mercedes das System auf neudeutsch nennt. Übermüdete Fahrer machen immer wieder kleine Lenkfehler, die dann schnell korrigiert werden. In mehr als einer Million Testkilometer mit 550 Personen konnten die Techniker für Übermüdung immer wieder die gleichen Lenkmuster herausarbeiten. Diese Informationen wurden in einen Algorithmus eingebaut, der dem Assistenten als Vergleichsmuster dient.

Erkennt er im Fahrprofil solche Übermüdungsmuster, wird der Fahrer per Display und Signalton gewarnt und zu einer Pause aufgefordert. Ignoriert er die Warnung, wird sie wiederholt, bis das Fahrzeug anhält und der Motor stoppt. Danach startet das System neu. Der Attention Assit registriert so einen drohenden Sekundenschlaf schon in den Anfängen. Das System ist in einem Geschwindigkeitsbereich von 80 km/h bis 180 km/h aktiv. Wer schneller fährt, ist automatisch wacher, weil er mit mehr Adrenalin im Blut unterwegs ist. Auch bei einer besonders aktiven Fahrweise, beispielsweise schnellen Passfahrten, bleibt der Assistent außen vor. Hier mangelt es anders als auf monotonen Autobahnstrecken für das System erkennbar nicht an fahrerischer Aufmerksamkeit.

Text: Günter Weigel, Fotos: Daimler/Mercedes-Benz

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