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Chris Rea: Fool If You Think It's Over. The Definitive Greatest Hits (edel)

Es gibt Sätze, die glaubt einem im Pop-Business echt kein Mensch. Wer vor Jahren Chris Rea als einen Musiker fürs Extreme beschrieben hätte, wäre mild belächelt worden. Jener Sänger, Songwriter und Gitarrist, der in England zeitweilig 100.000 Platten pro Tag verkaufte, war für höchst radiokompatible Sounds bekannt, und Songs wie seinen Hit On The Beach konnte und musste niemand als Fanal gegen das Establishment werten. Wirklich nicht.

Heute steht Rea an ganz anderer Stelle bereit, sich erneut ins Geschehen zu mischen. 20 Jahre lang, erzählt der 54-jährige, habe ich fast jeden Tag inmitten meiner Sammlung alter Bluesplatten gesessen und gelauscht und nachgespielt. Abends bin ich dann losgegangen, um meinen Job als Popstar zu erfüllen. Dann kam die Krankheit, die Diagnose seiner Ärzte, die mir eine Überlebenschance von 30 Prozent gaben, die Operation, 16 Stunden unterm Messer der Chirurgen. Zeit für schräge Gedanken. Was wäre gewesen, wenn eine meiner Töchter mich nach dem besten Album meiner Karriere gefragt hätte? Mir wäre bloß die Antwort übrig geblieben, noch niemals ein gutes Album aufgenommen zu haben.

Mit Stony Road hat Chris Rea dann nach seiner Genesung vor drei Jahren mit alten Gewohnheiten gebrochen und endlich die Musik auf seinem Album gehabt, die ihn schon seit drei Jahrzehnten nicht mehr loslässt. Vielleicht, gestand Rea damals, ist der Blues in Reinkultur nun nicht gerade das, worauf meine Fans nach so langer Wartezeit gehofft haben. Aber ich hatte ja noch viel länger auf meine Chance warten müssen, und ich hatte bei diesem Album, wie ich fand, einfach mal den Vortritt.

Das hieß, bekannte Titel eben etwas extremer – bluesorientierter – aufzunehmen. Herausgekommen ist eine Best of-CD, die nicht bloß eine Zusammenstellung der bekannten – gefälligen – Titel ist, auf dass sie sich einmal mehr hervorragend verkaufe. Bei allem Rückgriff auf 30 erfolgreiche Jahre hat Chris Rea die Meilensteine seiner Erfolge neu aufgenommen – gewissermaßen nach dem Blues in Reinkultur jetzt den Mittelweg zwischen der Reinkultur und dem Mainstream gefunden. Die Chancen stehen gut, dass sowas die Rea-Fangemeinde nochmals vergrößert.

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