Neue Energien dank KERS: Wie die Serie von der Formel 1 profitiert

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Zugegeben, nimmt man das Ergebnis vom vergangenen Wochenende zugrunde, würde der Aufwand nicht viel Sinn machen. Aber Gott sei Dank springt ja für die Leute von BMW meist mehr nur ein einziges Pünktchen bei einem WM-Lauf heraus, wie beim Großen Preis von Ungarn am Wochenende. Da fuhr der Pole Robert Kubica im BMW gerade noch in die Punkteränge, sein Teamkollege Nick Heidfeld ging gar ganz leer aus.

Und dennoch forscht, entwickelt und produziert nicht nur der deutsche Automobil-Hersteller, der gleichzeitig mit einem eigenen Rennstall in der Formel 1 vertreten ist, in der Königsklasse des Motorsports derart intensiv, dass auch Serienfahrzeuge davon profitieren. Sprich: Auch der kleinste BMW 1er fährt mit Teilen über die Straße, die einst für die Rennpisten der großen weiten PS-Welt entwickelt worden waren. Und dies ist beileibe nicht bei BMW der Fall, sondern bei allen anderen Produzenten von Serienfahrzeugen auch. Wie etwa bei Mercedes-Benz, das in der Fusion mit McLaren eine dominierende Rolle spielt. Oder bei Honda, Toyota oder Renault. Dass ein normaler Ferrari von der Performance eines Formel-Fahrzeugs profitiert, dürfte so sehr nicht überraschen. Bei einem Renault Twingo ist das schon eher der Fall.

Als die Münchener vor mittlerweile acht Jahren wieder in die Formel 1 einsteigen, hatten sie sich das Thema Synergien zwischen Rennsport und Serienfertigung von Beginn an auf die Fahnen geschrieben. Daher wurde auch die Entwicklung des Formel-1-Antriebsstrangs und der Elektronik am Standort München dort entwickelt, wo die Seele des Unternehmens schlägt. Ganz in der Nähe des Vierzylinders des legendären BMW-Hochhauses nämlich. Im FIZ (Forschungs- und Ingenieurszentrum), dem eine Schlüsselrolle dabei zukam.

Die F1-Fabrik wurde in Sichtweite dieser Denkwerkstatt errichtet und mit ihr vernetzt. Das FIZ repräsentiert die Zukunft von BMW, erklärt BMW-Motorsportdirektor Dr. Mario Theissen. Dort arbeiten unsere fähigsten Ingenieure in modernsten Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Es verfügt über enorme Ressourcen, von denen wir unmittelbar profitieren. Umgekehrt stellt das F1-Engagement durch die hohen technischen Anforderungen ein einzigartiges Versuchsfeld für unsere Techniker dar.

Der Zirkus Ecclestone wird ab 2009 mit einem veränderten Antriebskonzept in eine neue Dimension vorstoßen und damit auch wichtige Impulse für die Entwicklung von Serienfahrzeugen geben. In der Formel 1 kann mit Beginn der Saison 2009 nämlich erstmals Hybrid-Technologie zur Steigerung der Leistung und der Effizienz eingesetzt werden.

Das BMW Sauber F1 Team arbeitet derzeit mit großer Energie an KERS (Kinetic Energy Recovery System), einem System zur Bremsenergie-Rückgewinnung. Hinter dem Begriff KERS verbirgt sich ein System zur Rückgewinnung und Speicherung von Bremsenergie, die dann beim Beschleunigen zusätzlich zur Motorleistung des V8 Motors zur Verfügung steht. Das ist ein Bahn brechende Technologie, wir gehen dabei wirklich bis an unsere Grenzen, sagt Theissen und auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug bezeichnet KERS als interessantes und herausforderndes Projekt.

Dr. Klaus Draeger, Entwicklungsvorstand bei BMW, denkt schon über diesen Schritt hinaus und sieht das ganze Potenzial von KERS. Die BMW Group kann die im BMW Sauber F1 Team gewonnenen Erkenntnisse direkt in die Entwicklung von Serienfahrzeugen transferieren. Die Formel 1 ist damit die ideale Vorentwicklungsplattform für innovative Antriebstechnologien. Was auf gut Deutsch so viel heißt wie: Der kleinste 1er profitiert vom Heidfeld-BMW.

Der BMW Sauber F1.09 wird mit einem Hybridsystem ausgestattet, das aus einer Kombination aus Elektromotor und Generator, der entsprechenden Leistungselektronik und einem Energiespeichermodul besteht. Während der Bremsphasen des Fahrzeugs wird so viel Energie gespeichert, dass beim Beschleunigen während ungefähr 6,5 Sekunden eine zusätzliche Leistung von 60 kW zur Verfügung steht. Die Münchener setzen bereits heute im Rahmen von BMW EfficientDynamics die Bremsenergie-Rückgewinnung in zahlreichen Serienmodellen ein.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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